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Patenschaftsbericht

  Einsatzgruppenversorger BONN               

                    II. Navigationsoffizier

              

Neues Jahr. Neue Aufgaben.

Liebe Freunde des EGV BONN,

auch wenn das neue Jahr bereits wieder drei Monate alt ist, möchte ich meinen Bericht dort beginnen, wo der letzte Bericht endete, im Dezember 2016. Da der Besuch der Delegation des Einsatzgruppenversorgers BONN und der Betrieb des Weihnachtsmarktstandes vom 5. – 9. Dezember ausführlich auf der Homepage des Freundeskreises betrachtet wurden, möchte ich darauf nicht detaillierter eingehen. Nachdem die Besatzung bereits vor Ort 500 Euro an die Organisation              „Bunter Kreis Rheinland“ übergeben konnte, besuchten der Kommandant und der Patenschaftsoffizier Ende Januar das Kinder– und Jugendhospiz in Wilhelmshaven, um den zweiten Teil der Spende zu überreichen. Vor Ort konnten wir einen Eindruck über die Arbeit mit schwererkrankten, todkranken Kindern und Jugendlichen gewinnen. Außerdem erhielten wir bei einer ausführlichen Begehung einen Einblick in die bürokratischen Hürden und Finanzierungsprobleme eines solchen Hauses. Von dem gewonnenen Eindruck schwer betroffen, gab es keinen Zweifel, dass die Spende hier genau an der richtigen Stelle ankommt. Insgesamt konnte die BONN einen Spendenscheck in einer Höhe von 900 Euro überreichen. Das Geld stammte aus dem Glühweinverkauf in Bonn und aus Spenden, welche während des Weihnachtsgottesdienstes Heiligabend an Bord gesammelt wurden.

Am 24. Februar stachen wir, nach fast viermonatiger Abstinenz, wieder in See, um am DESEX/ GOOD HOPE 2017 teilzunehmen. Das binationale Manöver DESEX (Destroyer Exercise)/ GOOD HOPE findet alle zwei Jahre zwischen der südafrikanischen und deutschen Marine statt. 2017 war der mittlerweile siebte Durchgang. Traditionell verlegen dazu deutsche Marineeinheiten nach Südafrika, um in dem Seegebiet am Kap der Guten Hoffnung gemeinsam zu üben und zu trainieren. Die diesjährige Durchführung im Gebiet der Ostsee stellte somit ein Novum dar. Auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens, den engen Küstenabschnitten und den flachen Gewässern gilt die Ostsee als ein herausforderndes und navigatorisch attraktives Seegebiet. Teilnehmende Einheiten waren neben der BONN die südafrikanische Fregatte AMATOLA sowie die deutsche Fregatte AUGSBURG. Zwischenzeitlich nahmen zusätzlich die deutsche Korvette LUDWIGSHAVEN AM RHEIN sowie die algerische Fregatte EL MOUDAMIR an einigen gemeinsamen Serials teil, waren jedoch nicht Bestandteil der Task Group.

Für die südafrikanische Marine war das diesjährige DESEX/ GOOD HOPE in vielerlei Hinsicht eine Premiere. Noch nie hat eine offiziell in Dienst gestellte südafrikanische Einheit den Äquator überquert und folglich noch nie in der Nord – oder Ostsee navigiert. Herausfordernd waren in diesem Zusammenhang vor allem die Passagen „Englischer Kanal“ und „Großer Belt“. Ein weiterer Grund für die Verlegung des Manövers von Kapstadt in die Ostsee war der Untergang der „SS Mendi“, welcher sich am 21. Februar zum 100. Mal jährte.

Die „SS Mendi“ war ein Truppentransporter, welcher mehr als 600 südafrikanische Soldaten der „South African National Labour Corps“ von Kapstadt nach Le Havre in Frankreich bringen sollte. Dort sollten die Soldaten an den Fronten des 1. Weltkrieges oder in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden. Bei der Überfahrt von Plymouth (England) nach Le Havre kollidierte die SS MENDI mit einem britischen Postschiff und sank innerhalb von 25 Minuten. Mehr als 600 Südafrikaner starben. Bis heute ist dies der zweitgrößte Verlust, den die südafrikanische Armee je verzeichnen musste und gilt als Symbol für den Kampf gegen die Apartheit und für Freiheit und Unabhängigkeit. Im Gedenken an die Opfer erfolgte am 3. März eine offizielle Kranzniederlegung am Marineehrenmal Laboe.

Direkt nach dem Auslaufen aus Wilhelmshaven am 24. Februar machte sich die BONN auf den Weg in die Deutsche Bucht, um sich dort mit der AMATOLA zu treffen. Gemeinsam verlegten beide Einheiten durch den Skagerrak und den Großen Belt  in die Ostsee. Dort angekommen lief der Verband am 27. Februar im Marinestützpunkt Kiel ein. Noch am selben Abend fand an Bord der BONN ein Icebreaker statt, der den Besatzungen aller beteiligten Einheiten die Gelegenheit gab sich gegenseitig kennenzulernen. Am darauffolgenden Tag fanden im Stützpunkt die sogenannten „Pre Sail Conferences“ statt. Diese dienten dem gegenseitigen Informationsaustausch sowie der Feinabstimmung des „Serial Plans“ für die kommenden 1 ½ Wochen.

Am Mittwoch ging es dann endlich wieder raus auf See. Diese erste Phase sollte den Einheiten dazu dienen, individuelle Ausbildung zu betreiben. Bereits während der Revierfahrt Kiel auslaufend startete das erste Serial „Asymmetrische Bedrohung – Auslaufen unter Force Protection“. Hierzu wurde die Waffengruppe, welche unsere Maschinengewehre, Fliegerfäuste und Schweren Maschinengewehre besetzt, auf ihre Stationen gerufen. Ein eigens vom Marinestützpunkt Kiel bereit gestelltes Boot simulierte das abzuwehrende Speedboot. Dadurch hatte die Brücke die Möglichkeit ihre „Warning“ zu lesen und die Waffengruppe konnte zusammen mit den Feuerverteiloffizieren (FVO) in beiden Nocken und dem Schiffsoperationsoffizier (SOPO) in der Operationszentrale (OPZ) das Verfahren „Speedbootabwehr“ üben.

Direkt im Anschluss verlegten wir in ein zugewiesenes Schießgebiet und führten ein Schießen mit unseren Marineleichtgeschützen (MLG) sowie den SMG und MG durch. Auf Grund einer hohen Zahl neubesetzter Stellen war dies für viele Beteiligte das erste Schießen überhaupt. Der darauffolgende Donnerstag diente vorrangig dem Rollendienst. Erst wurden Feuer bekämpft, Lecks wurden abgedichtet und Verletzte versorgt. Am Freitag ging es bereits wieder nach Kiel. Das Wochenende über lagen wir im Marinestützpunkt, was vielen Besatzungsmitgliedern die Möglichkeit bot nach Hause zu fahren.

In der zweiten Woche startete Phase zwei des Manövers. Nach der individuellen Einzelausbildung sollte nun die Ausbildung innerhalb des Verbandes stattfinden. Dazu geplant waren eine Vielzahl seemännischer Manöver (Seeversorgungsmanöver, Anläufe für Seeversorgungsmanöver sowohl tags als nachts, Schleppanläufe, Formationsfahren etc.). Da die AMATOLA ihren eigenen Bordhubschrauber mit an Bord hatte, bot sich zusätzlich täglich die Gelegenheit Flugbetrieb durchzuführen für die Ausbildung der jungen, unerfahrenen          Brücken – WO und für die Lizenzaufrechterhaltung unseres Flugdecksoffiziers (FDO). Zusätzlich bekamen die Einheiten die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten in den einzelnen Warefare Areas auszubauen und zu verbessern. Simuliert wurde der Verband von einigen „feindlichen“ Fliegern und Speedbooten angegriffen, welche uns eben jenen Schaden zufügten, der durch uns bekämpft werden musste. Die Besatzung wurde direkt nach Dienstbeginn auf Gefechtsstation gerufen und Vormittags verdichteten sich die Annahmen auf eine Feindeinwirkung      (Speedboot-Attacke oder Luftangriff). Notwendige Anlagen wurden dafür gezielt außer Betrieb genommen und es wurde notiert, wie sich die verschiedenen Abschnitte dabei verhalten. Der umfangreiche Serialplan hielt Schiff und Besatzung gut in Atem. Jedoch waren die deutlich spürbaren Verbesserungen der Fähigkeiten der Lohn für eine anstregende und fordernde Woche. Um das Manöver für die Ewigkeit festzuhalten, bildete das Formationsfahren am Donnerstag den krönenden Abschluss. Die Einheiten positionierten sich in unterschiedlichen Formationen und wurden dabei aus der Luft fotographiert. Am Freitag lief der Verband bei strahlendem Sonnenschein in Rostock – Warnemünde ein. Mit einem Empfag auf der AMATOLA wurde das DESEX/ GOOD HOPE VII offiziell beendet.

Während der Stab in Rostock ausgeschifft wurde, stiegen zeitgleich 16 Offizieranwärter und ein Hörsaalleiter zu. Die Offizieranwärter werden bis Ende März bei uns ein Bordpraktikum absolvieren, um den ersten Kontakt zur „Grauen Flotte“ zu bekommen. Bisher komplett seeunerfahren, haben sie die einmalige Gelegenheit den Alltag auf deutschen seegehenden Einheiten kennenzulernen, bevor sie für vier Jahre in das Studium gehen. Dazu erhalten sie im Rahmen eines Ausbildungszuges erste Unterrichtungen über den Struktur, Organisation und die Abläufe an Bord.

Anschließend werden sie auf die einzelnen Hauptabschnitte aufgeteilt und versehen dort ihren Dienst. Dazu gehören u.a. die Aufteilung auf die Seewachen im Bereich Navigation und Schiffstechnik sowie die Funktionen als Ausguck oder Rudergänger. Ende des Monats wird uns der Hörsaal in Schottland wieder verlassen und zurück nach Deutschland fliegen.

Während die anderen Einheiten das Wochenende in Rostock blieben, liefen wir bereits am Samstag Nachmittag wieder aus. Den Rücktransit nach Wilhelmshaven nutzte die Besatzung um durchzuatmen. Die Kombüse tischte am Sonntag ein leckeres Brunchbuffet auf. Von 9 – 13 Uhr wurden eine Vielzahl warmer und kalter Speisen präsentiert, so dass für jeden Geschmack etwas leckeres dabei war.

Neben all den Manövern laufen die Vorbereitungen für den Hamburger Hafengeburtstag auf Hochtouren. Als Flaggschiff werden wir Anfang Mai im Zentrum Hamburgs, direkt an den Landungsbrücken, gegenüber der Cap San Diego, festmachen. Die Besatzung erwartet ein forderndes Wochenende. So sind neben dem täglichen Open Ship, ein Gottesdienst, ein Senator´s Call, ein Empfang mit ca. 500 Personen und ein Captain´s Dinner geplant. Sehr wahrscheinlich wird die BONN zusätzlich bei einigen der zahlreichen Vorführungen anderer Organisationen wie der DGzRS und deren Darbietung „SOS – Retter in Aktion“ im Hafenbecken u.a. mit den Speedbooten präsent sein. Um der Besatzung die Chance zu geben, Hamburg auf eigene Faust zu erkunden, ist es die Absicht der Schiffsführung bis zwei Tage nach Beendigung des Hamburger Hafengeburtstages an dem Liegeplatz zu verweilen. Für die zwei Tage ist ein Betreuungsprogramm für die Besatzung angedacht, um Hamburg zu erkunden. Dieser wurde geschaffen, um der Besatzung etwas Ruhe nach einem anstrengenden Wochenende zu bieten und einen Zeitraum zu schaffen, in dem sie unter sich ist.

Nach der Rückkehr aus Hamburg (11. Mai) wird die Besatzung eine zweiwöchige Verschnaufpause habe, ehe wir am 24. Mai nach Bremerhaven verlegen, um dort als Flaggschiff für das dortige Seestadtfest zu fungieren.  Auch hier sind Empfänge und mehrere Open Ship – Tage geplant. Allerdings werden diese unter dem Umfang des Hamburger Hafengeburtstages bleiben.

Direkt im Anschluss werden wir uns auf dem Weg in die Ostsee begeben, um an dem Manöver Baltops teilzunehmen. Darüber werde ich im nächsten Patenschaftsbericht ausführlicher berichten. Nach Beendigung dieses Manövers ist das erste Halbjahr 2017 fast geschafft und es beginnt für uns alle der Werftvorlauf.

Neben all den positiven Nachrichten gibt es auch eine traurige Nachricht. Bereits während einer Besatzungsmusterung im Februar hat uns unser Kommandant mitgeteilt, dass er zum Juli von der BONN nach Rostock versetzt wird. Auch wenn Dienstpostenwechsel stetig stattfinden und in der Bundeswehr allgegenwärtig sind und jedem Besatzungsmitglied klar war, dass unser Kommandant dieses Jahr gehen wird, so stand der Schock Vielen in das Gesicht geschrieben.

Von Allen geachtet und innerhalb der Besatzung sehr beliebt, hatten viele Besatzungsmitglieder gehofft, dass ihr Kommandant noch bis Ende des Jahres bleiben könne und das Schiff mit in die Werft begleiten würde.

Am kommenden Dienstag (21. März) werden wir bereits zum nächsten Manöver aufbrechen. Unser Auftrag führt uns einmal um die nördlichste Spitze Großbrittaniens bis nach Schottland. Dort werden wir planmäßig am Freitag, den 24. März in Hunterston einlaufen werden. Hunterston ist eine Stunde von Glasgow entfernt. Wie bereits in Kiel, wird es am Samstag für eine kleine Zahl von Offizieren wieder zu den „Pre Sail Conferences“ gehen. Der Rest der Besatzung, ausgenommen die militärische Wache, wird bis Sonntagmittag frei haben. Da Hunterston an sich nur aus der Pieranlage bestehend, kein Freizeitprogramm bietet, wird voraussichtlich ein Shuttleservice nach Glasgow eingerichtet. Am Sonntag werden wir dann zusammen mit vielen weiteren Einheiten in das Manöver „Joint Warrior“ starten. Ingesamt wird der Verband aus mehreren Task Groups bestehen. Mit dabei sein werden Fregatten, Versorger, Luftfahrzeuge und U – Boote aus England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Norwegen, Dänemark und den USA. Zusätzlich wird uns zeitweise ein NATO- Einsatzverband (die SNMG 1) begleiten. Unsere Rückkehr nach Wilhelmshaven ist für den  8. April geplant.

Viele Grüße von Bord des EGV BONN und von Eurem Patenschaftsoffizier

Nicol

 

Bordbericht 04-2016


Einsatzgruppenversorger BONN

- II. Navigationsoffizier -

Zeit vergeht. Erinnerungen bleiben!

Liebe Freunde des EGV BONN,

Das Jahr neigt sich dem Ende und es ist Zeit für einen letzten Patenschaftsbericht für das Jahr 2016. Wie immer in den Tagen vor dem Jahreswechsel ist es an der Zeit ein Resümee zu ziehen und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.

Hinter dem EGV BONN und seiner Besatzung liegt ein spannendes sowie forderndes Jahr. Erstmals befand sich der EGV BONN im Einsatz beziehungsweise in einer einsatzgleichen Verpflichtung. Bereits gleich zu Beginn des Jahres, am 9. Januar, ging es für die Frauen und Männer der Bonn auf große Fahrt. Für viele der jungen Kameraden waren dies der erste mehrmonatige Einsatz und die erste längere Trennung von der Familie und den Freunden. Aus der geplanten Route als Flaggschiff der SNMG 2 wurde die Patrouille und Seeraumüberwachung in der Ägäis. Es wurde der Besatzung viel abverlangt. Professionell und stets hoch motiviert ging die Besatzung die neuen Herausforderungen an. Mit einem hohen Maß an Flexibilität, Engagement und Einsatzbereitschaft, verbunden mit persönlichen Einschränkungen, erfüllten wir die an uns gestellten Anforderungen zur vollsten Zufriedenheit. Nach 171 Tagen fernab der Heimat hatten sich alle den langersehnten Urlaub verdient. Nach fast vier Monaten an der Pier und einem enormen Stellenwechsel (fast 50 neu zuversetzte Soldaten) war es an der Zeit wieder auszulaufen, um in Übung zu bleiben.

Bereits in meinem letzten Patenschaftsbericht sprach ich von dem geplanten ISEX „Individual Ship Exercise“. Dazu begab sich die BONN am 24. Oktober 2016 in die Deutsche Bucht und fuhr von dort aus durch den Skagerrak und den Großen Belt in die Neustädter Bucht. Die Besatzung trainierte Dinge wie Besetzen der Gefechtsstationen, Brandabwehr, Leckabwehr, Flugbetrieb, Sanitätsausbildung und wurde durch verschiedenste Ausbildungen rund um Schadensabwehr und Gefechtsdienst fit gemacht. Während der ersten Wochen war eine Vielzahl von Ausbildern des Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine (EAZSM) aus Neustadt eingeschifft. Diese unterstützten das Bordkommando bei der Ausbildung und gaben uns viele hilfreiche Hinweise mit auf den Weg. Nach einem Wochenende vor Anker in der Neustädter Bucht begaben wir uns auf den Rückweg nach Wilhelmshaven.

Den Rücktransit nutzte die Besatzung für weiterführende Ausbildungen sowie administrative Aufgaben. Außerdem führte die BONN nordwestlich von Dänemark ein Schießen durch, damit die fast komplett neu aufgestellte Waffengruppe die Möglichkeit zum Üben erhielt. Die Bordwaffengruppe bedient unsere Schweren Maschinengewehre (sMG) sowie die Maschinengewehre G3 (MG 3). Diese befinden sich sowohl an Backbord als auch an Steuerbord und werden von uns unter anderem gegen kleinere, feindliche Überwasserkontakte (Bsp. Speedboote) eingesetzt. Leider konnten aufgrund von Sturm keine Seeziele ausgebracht werden. Nach zwei Wochen machte die BONN am 4. November 2016 wieder in Wilhelmshaven fest.

Die Wochen bis Weihnachten sind vor allem geprägt durch die Schießausbildung. Viele Besatzungsangehörige müssen nach dem neuen Schießausbildungskonzept der Bundeswehr (neuSAK) ausgebildet werden. Die Ausbildung/ Umschulung umfasst eine Woche und beinhaltet unter anderem zwei Tage auf der Schießbahn im 70km entfernten Oldenburg.

Außerdem beginnen jetzt bereits die Planungen für die anstehenden Vorhaben kommendes Jahr. Neben unserem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt in Bonn gilt es zusätzlich einen Weihnachtsgottesdienst an Bord zu planen. Abwechselnd findet jährlich auf den EGV am 24. Dezember ein öffentlicher Weihnachtsgottesdienst statt. Diese bei den Wilhelmshavenern sehr beliebte, traditionelle Veranstaltung wird dieses Jahr durch den EGV BONN geplant und durchgeführt.

Egal ob im Tagesdienst, beim Patenschaftsbesuch oder bei einem Weihnachtsgottesdienst, seit Einführung der Soldatenarbeitszeitverordnung (SAZV) haben sich die Bedingungen für den Einsatz und die Planung von Personal grundlegend verändert. Grundsätzlich darf jeder Soldat nicht mehr als 41 Stunden in der Woche arbeiten. Das hat dazu geführt, dass unsere Einheiten im Heimathafen nicht wie früher durch eine militärische Hafenwache bewacht werden, sondern durch eine lediglich fünf Soldaten umfassende betriebstechnische Wache, um die Überstundenkonten so wenig wie möglich zu belasten. Diese sind dem Stellvertretenden Offizier vom Wachdienst für seegehende Einheiten (StOvWa SE) unterstellt, welcher für alle im Hafen befindlichen Einheiten der Leiter Schadensabwehr ist, zum Beispiel im Falle eines Feuers. Der StOvWa wird wochenweise durch die jeweiligen vorhandenen Einheiten gestellt.

Insgesamt sorgen die genannten Wachen für eine Überschreitung der 41 Wochenstunden. Das führt dazu, dass Besatzungsmitglieder, welche Wache gegangen sind mitunter mehrere Tage bis zu einer Woche am Stück im Tagesdienst fehlen, da Sie ihre Überstunden abbauen müssen. Dabei wird die zu erledigende Arbeit jedoch nicht weniger für uns. Doch warum berichte ich das?

Die SAZV führte auch dazu, dass wir dieses Jahr erstmalig unseren Patenschaftsbesuch in BONN unter der Woche durchführen müssen, da wir am Wochenende zu viele Überstunden generieren würden. Trotz einiger Hürden ist es uns gelungen auch 2016 den mittlerweile traditionellen Besuch in Bonn abhalten zu können.

Wir werden vom 5. Dezember bis 9. Dezember mit einer Abordnung nach Bonn reisen und freuen uns auf die Begegnungen mit neuen Gesichtern und auf ein Wiedersehen mit den bekannten Gesichtern unseres Freundeskreises.

Nach dem Besuch des Freundeskreises in Wilhelmshaven Ende September bildet diese Fahrt einen runden Abschluss für das „Patenschaftsjahr“ 2016. Auch 2017 wird ein ereignisreiches Jahr an dem wir den Freundeskreis gerne wieder teilhaben lassen wollen.

Wie bereits bekannt ist für die BONN vorerst kein Einsatz oder eine einsatzgleiche Verpflichtung für 2017 geplant. Nichts desto trotz wird die BONN auch 2017 wieder in See stechen. Gleich zu Beginn des Jahres ist eine gemeinsame mehrwöchige Übung mit der südafrikanischen Marine in der Ostsee geplant. Anfang Mai wird die Bonn als Flaggschiff zum Hafengeburtstag nach Hamburg verlegen und dort eine Vielzahl von gesellschaftlichen und repräsentativen Veranstaltungen ausrichten. Anschließend wird die Bonn zeitnah ebenfalls auf dem Seestadtfest in Bremerhaven vertreten sein, um direkt im Anschluss sich auf den Weg zum BALTOPS zu machen, einer mehrwöchigen Übung in der Ostsee.

Doch bevor es soweit ist geht die Besatzung EGV BONN in den verdienten Weihnachtsurlaub. Wir, die Besatzung des EGV BONN, wünschen allen Freunden und Förderern der BONN, welche wir nicht in Bonn sehen, sowie deren Familien eine besinnliche Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest im Kreise der Liebsten und einen guten Rutsch in das Jahr 2017.

Viele Grüße euer Patenschaftsoffizier

Nicol

 

Bordbericht 03-2016


Einsatzgruppenversorger BONN

- II. Navigationsoffizier -

Home, sweet home!

Liebe Freunde des EGV BONN,

Wie bereits in meiner Mail angekündigt, übernehme nun ich, Oberleutnant zur See Nicol Rüdiger, das Amt des Patenschaftsoffiziers, da unser Fernmeldeoffizer Oberleutnant zur See Henriette Hackmann nach Koblenz versetzt wurde. Ich freue mich auf eine herzliche und von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit, wie sie mir bei der Arbeit meiner Vorgänger bereits aufgefallen ist.

Wie im letzten Patenschaftsbericht Anfang Mai bereits angeklungen ist, neigte sich der Einsatz des EGV BONN als Flaggschiff der SNMG 2 und als Einheit des Einsatzkontingents NATO zur Unterstützung in der Ägäis dem Ende entgegen. Nach über zwei Monaten auf Patrouille im Einsatzgebiet brachen die letzten Wochen an, in denen der EGV BONN wie bisher Beobachtungen und Seeraumüberwachung von Schleusern und Migrantenbewegungen durchführte.

Nachdem wir zum zweiten Mal einen mehrtägigen Aufenthalt in Piräus genießen durften, verlegten wir wieder in unser Einsatzgebiet zwischen der griechischen Insel Chios und dem türkischen Festland. Nach der Vielzahl von Besuchen (siehe letzter Patenschaftsbericht) wurde es ein wenig ruhiger an Bord. Neben der Auftragserfüllung, dem Tagesdienst und den Seewachen hatte die Besatzung immer wieder Zeitfenster für individuelle Freizeitgestaltungen. Bei strahlendem Sonnenschein nutzen viele Besatzungsangehörige die freie Zeit, um sich an Oberdeck zu sonnen oder um sich sportlich zu betätigen. Hierbei beliebt waren vor allem das Lauftraining und das Zirkeltraining des Ersten Offiziers.

Bis zu unserem nächsten Hafen war es ein recht kurzer Seetörn, da wir bereits am 15. Mai unseren nächsten Hafen Thessaloniki, für uns bereits bekanntes Territorium, anliefen. Bei schönstem Wetter nutzen viele Kameraden die Chance und erholten sich an den Stränden oder erkundeten die Stadt. Da mittlerweile die Urlaubssaison in Griechenland begonnen hatte, boten sich in den Abendstunden eine Vielzahl an Lokalitäten sowie Open Air Veranstaltungen zum Verweilen an.

Nach drei Tagen Aufenthalt hieß es wieder „Leinen los“. Zurück im Einsatzgebiet verliefen die Tage ruhig, da die Migrantenbewegungen und die Aktivitäten der Schlepper merklich zurückgegangen waren, wie Ihr sicherlich auch den Medienberichten entnehmen konntet. Unser eingeschiffter, internationaler Stab begann langsam mit den Vorbereitungen für die offizielle Übergabe an das neue Flaggschiff, die Fregatte KARLSRUHE, die für Mitte Juni in Souda Bay/ Kreta geplant war.

Am Abend des 25. Mai liefen wir, einen Tag eher als ursprünglich geplant, erneut in Izmir ein. Grund dafür war eine Besuchergruppe von Journalisten, unter der Führung des Abteilungsleiters des Presseinformationszentrums der Bundeswehr (PIZ), Oberst Warda. Der im Vorfeld vom PIZ eingeschiffte Presseoffizier Major Habermann sowie dessen Nachfolger Major Strauß, hatten sich ein abwechslungsreiches und interessantes Programm für die etwa 20 Medienvertreter ausgedacht. Im Rahmen einer eintägigen Seefahrt am Folgetag in der Bucht von Izmir hatten die angereisten Journalisten die Möglichkeit, bei einer Schiffsführung und einer Fahrt mit dem Speedboot die BONN genauer kennen zu lernen. Höhepunkt jedoch war ein exklusives Interview von Flottillenadmiral Jörg Klein, Kommandeur SNMG 2, über die Erfahrungen und Erfolge des Verbandes in der Ägäis. Am späten Nachmittag legten wir wieder in Izmir an und verabschiedeten unsere Gäste. Noch am selben Tag lud die Schiffstechnik (HA 200) zur Besatzungsfeier in die Maschinenwerkstatt ein. Bei rauen Klängen und selbstkreierten Drinks des Antriebsmeisters feierten viele bis in die frühen Morgenstunden. Viel Zeit zum Erholen gab es jedoch nicht, da bereits am Nachmittag die Feierlichkeit anstand. Als Brauch von der kanadischen Marine übernommen, luden die 11er zur traditionellen „Moosemilk“, ein süßes Getränk bestehend aus Milch, Vanilleeis, Kakao oder Schokolade, kaltem Kaffee und hochprozentigem Alkohol. Wer es etwas ruhiger mochte, nutze die Gelegenheit der letzten Landgangschance in der Türkei zum Einkaufen oder zum Essen gehen.

Am 30. Mai verließen wir pünktlich früh um 10 Uhr, ein letztes Mal den Hafen von Izmir. Vor uns lagen die letzten 14 Tage im Einsatz. Mit voller Konzentration und Engagement erfüllte die Besatzung letztmalig ihren Auftrag. Gleichzeitig waren die Planungen für den Hafenaufenthalt sowie die dort stattfindende Übergabe im vollen Gange. Die Hauptabschnitte und die Seewachen nutzen den Seetörn, um ein letztes Mal bei einem abendlichen Pizzaessen oder einem gemeinsamen Grillen zusammen zu kommen. Da bereits fest stand, dass es nach dem Einlaufen in Wilhelmshaven einen großen Stellenwechsel geben würde, war dies für viele Kameraden die vorerst letzte Möglichkeit in Kreis derer, mit denen man die vergangenen sechs Monaten im Einsatz sowie in den Jahren davor zusammen gelebt und gearbeitet hatte, beisammen zu sein. Mit einem abschließenden Seeversorgungsmanöver mit der FG EV Jacoubet, ebenfalls eine an dem Einsatz in der Ägäis beteiligte, französische Fregatte, verabschiedeten wir uns am 12. Juni aus dem Eisatzgebiet und begannen unseren finalen Transit nach Souda Bay. Obwohl der anstehende Aufenthalt auf Kreta vollgepackt mit Terminen war, stieg die Vorfreude von Tag zu Tag. Jeder an Bord wusste, dass dies der letzte Hafen sein sollte, bevor es nach Hause geht. Viele zählten an ihren Abreißkalendern die Tage bis zum Einlaufen in Wilhelmshaven und nicht selten konnte man Gesprächen über anstehende Urlaubspläne, Essenwünsche in der Heimat oder einfach nur über die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Liebsten lauschen.

Ebenfalls ereilte uns die Nachricht, dass wir auf unserem Rücktransit nach WHV für einige Tage in das Einsatzgebiet SOPHIA befohlen werden sollten. Durch den Ausfall einer deutschen Einheit fehlte ein Schiff im Einsatzgebiet. Daher stand die Überlegung im Raum den EGV BONN in das Einsatzgebiet zu senden, um die entstandene Lücke zu schließen, bis ein Ersatzschiff ausgemacht werden konnte.  Da wir jedoch für Kreta die Ausschiffung des speziell für den Einsatz eingeschifften Personal sowie die Abgabe des Materials für Aufnahme von, stellte uns diese Aufgabe vor eine große Herausforderung. Nach Tagen der Ungewissheit erreichte uns wenige Tage vor dem Einlaufen in Souda Bay die endgültige Entscheidung. Damit stand fest, dass wir zwar durch das Einsatzgebiet fahren würden, jedoch auf Grund der genannten Engpässe nur im äußersten Notfall bei der Seenotrettung eingesetzt werden würden.

Am 14. Juni in Souda Bay angekommen, begannen sofort die Aufbauarbeiten für eine finale Abschlussfeier. Bei dem wunderschönen Wetter fand diese am Abend auf dem Flugdeck statt. Die Verantwortlichen hatten keine Mühen gescheut der Besatzung einen unvergesslichen Abend zu bereiten. So wurden aus Matratzen und Europaletten Loungebereiche auf dem Flugdeck gebaut. Unser bordeigener DJ „ MC Mü“ (II RadM) baute seine Lichtanlage und sein DJ – Pult auf der Empore auf den achteren Decksaufbauten auf und erstmalig hatte auch unsere eigene Bordband einen Auftritt. Wer noch einmal Sonne tanken wollte, ein letztes Mal original griechisch essen gehen wollte oder den Naval Exchange Store auf der U.S. Airbase, für den Kauf von preiswerten amerikanischen Produkten besuchen wollte, hatte in den darauffolgenden Tagen die Gelegenheit.

Da uns unser Erster Offizier, Fregattenkapitän Deußen, in Wilhelmshaven verlassen würde, bereitete ihm die Offiziermesse am 15. Juni einen gebührenden Abschied. Nachdem wir im Rahmen der Offiziere ein Fünf – Gänge - Menü in der Messe genossen und die Abschiedsgeschenke überreicht hatten, waren auch die Portepeeunteroffiziere eingeladen, mit ihm zusammen auf die vergangenen zwei Jahre anzustoßen. Wenige Tage später betrat unser neuer Erster Offizier, Fregattenkapitän Schlüter, direkt aus dem Verteidigungsministerium in Berlin angereist, erstmalig den EGV BONN.

Am Tag des Auslaufens, den 19. Juni, fand sowohl die nationale als auch die internationale Übergabe des Kontingents statt. Bei Temperaturen weit über 30 Grad Celsius verlangten die jeweils knapp einstündigen Zeremonien der Besatzung noch einmal Einiges ab. Unter den Augen zahlreicher geladener Gäste, übergab der COM SNMG 2, Flottillenadmiral Jörg Klein, die Führung des Kontingents an seinen Nachfolger. Als Abschiedsgeschenk bekam Flottillenadmiral Klein feierlich seinen Admiralsstander überreicht. Gleichzeitig wechselte die Führungsplattform des internationalen Stabes vom EGV BONN auf das neue Flaggschiff Fregatte KARLSRUHE. Große Teile des Stabes hatten bereits den Tag zuvor ihre Kammern an Bord geräumt und waren auf die KARLSRUHE gezogen. Neben den Mitgliedern des Stabes verließen uns auch Teile der eingeschifften Panzergrenadiere.

Direkt im Anschluss an die Zeremonie bereitete sich die Besatzung zügig auf das Auslaufen vor. 18:00 Uhr verließen wir ein letztes Mal den Hafen von Souda Bay und begaben uns mit gelegten 20 Knoten, voller Kraft voraus („Heimatumdrehungen“) auf den, mit acht Tagen berechneten, Rücktransit nach Wilhelmshaven. Nachdem wir die griechischen Hoheitsgewässer verlassen hatten meldeten wir uns in das Einsatzgebiet von SOPHIA. Jetzt galt es noch einmal die Daumen zu drücken, damit wir nicht zu einer Seenotrettung gerufen werden. Nach knapp drei Tagen verließen wir, ohne besondere Vorkommnisse, das Einsatzgebiet.

Während des Rücktransits verfolgten große Teile der Besatzung aufmerksam eines der Highlights dieses Jahres, die Fußballeuropameisterschaft. Viele begeisterte Fußballfans hatten ihre Trikots bereits vor der Tour mit in den Koffer gepackt. Im Hangar wurden eine Leinwand und einen Beamer aufgebaut und so versammelten sich die Besatzungsangehörigen dort regelmäßig und verfolgten auf Bierzeltgarnituren in den Nationalfarben gekleidet sowohl die Spiele der Deutschen als auch die anderer europäischer Mannschaften.

Nachdem wir die Straße von Gibraltar passiert hatten wurden, als Vorgeschmack auf WHV,  die Temperaturen merklich kühler, so dass wir von unserer Tropenuniform in sandfarben wieder auf unseren blauen Bordgefechtsanzug umstiegen. Schnurstracks ging es für uns weiter Richtung englischer Kanal. Als wir diesen passiert hatten, lag WHV nur noch wenige hundert Seemeilen entfernt. Auf den Sprechfunkkanälen hörten wir das erste Mal seit langer Zeit wieder die deutsche Sprache.

Überpünktlich liefen wir am 26. Juni in das Fahrwasser der Jade ein. Vor jedem großen Ereignis gibt es eine Generalprobe. So auch für uns. Da wir unsere Marine Rettungsboote (MRB) zur Instandsetzung abgeben mussten und uns die kostbare Zeit am Einlauftag sparen wollten, passierten wir bereits am Sonntag die Molenköpfe des Marinestützpunktes, gaben unsere MRB ab, drehen und verlegten auf die Reede vor Schillig. Und auch wenn das Wetter längst nicht so schön war wie im Mittelmeer, zogen wir bei strömenden Regen doch sehr gerne und voller Vorfreude unsere Bordparka an, als wir wenige Zeit später dort ankerten und mit den finalen Vorbereitungen für das Einlaufen und das große Wiedersehen begannen. Der Abend vor Anker gab unser scheidender Ersten Offizier außerdem die Möglichkeit, sich in Ruhe von uns, seiner Besatzung, zu verabschieden.

Wie bereits die Überschrift anklingen lässt, findet jede Reise einmal ein Ende. Es gibt wohl sehr wenige Gefühle im Leben die schöner sind, als der Moment, wenn man nach sechs Monaten Abwesenheit,  unter der tosenden Begrüßung seiner Liebsten, in seinen Heimathafen einläuft. Nach einer Nach vor Anker war es so weit. Der Moment auf den alle Besatzungsangehörigen wochenlang, monatelang, hingefiebert haben, war gekommen. Pünktlich um 10 Uhr passierte der EGV BONN die Molenköpfe der 4. Einfahrt. Auf der Pier warteten bereits Angehörige und Freunde, welche die Besatzung jubelnd begrüßte. Es wurden Fahnen geschwenkt und Transparente ausgebreitet. Dabei waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Dabei bleibt das ein oder andere Auge nicht trocken. Aber auch der EGV BONN hatte sich einige Überraschungen einfallen lassen. So schossen unsere Signäler vom Brückendach mit der Pistole leuchtende Sterne in den Himmel und zum Anlegen ertönte ein eigens vom Kommandanten ausgewähltes „Einlauflied“ von Schiller. Nachdem wir festgemacht hatten warteten alle Angehörigen ungeduldig darauf, endlich auf die BONN zu dürfen, um ihre Liebsten in den Arm zu nehmen. Nachdem die Stelling endlich ausgebracht und freigegeben war, stürmten alle an Bord. Nach den ersten Minuten des Wiedersehens gab es für unsere Gäste die Möglichkeit, im Hangar zu verweilen. Während einer Fotopräsentation der SNMG 2, welche unsere Smuts vorbereitet hatten, gab es kostenlosen Erbseneintopf, ebenfalls von unseren Smuts vorbereitet. Es galt schließlich die Zeit zu überbrücken, welche die Besatzung benötigte, um alle Arbeiten abzuschließen, um in den wohlverdienten Urlaub gehen zu können. Da wir gemäß der neuen Arbeitszeitverordnung keine eigene militärische Hafenwache mehr stellen, mussten alle bei der Müllabgabe und dem Ziehen der Kabel für den Landanschluss mit anpacken. Getreu dem Motto „Viele Hände, schnelles Ende“ waren die Arbeiten schnell vollbracht und endlich ging für große Teile der Besatzung für mindestens zwei Wochen in den Urlaub.

Lediglich die neu geformte „Betriebstechnische Wache“, bestehend aus fünf Besatzungsangehörigen, konnte das Schiff nicht verlassen. Hierbei handelte es sich jedoch zu meist um Kameraden, welche aus unterschiedlichsten Gründen bereits in einem der vielen Auslandshäfen ausgeflogen worden waren.

Zwei Monate später neigt sich unsere Urlaubsphase langsam dem Ende. Der Alltag im Marinestützpunkt hat uns wieder und mit ihm alle positiven als auch nicht so positiven Gegebenheiten. Wie bereits angesprochen befinden wir uns mitten in einem neuen Wachsystem. Neben der oben erläuterten betriebstechnischen Wache werden unsere Schiffe nun von Zivilangestellten bewacht. Wir selbst haben alle eine Chipkarte erhalten und betreten jeden Morgen das Schiff durch ein Drehtor. Regelmäßig werden die im Hafen liegenden Schiffe als Wachschiffe eingeteilt und stellen einen täglich wechselnden, sogenannten Stellvertretenden Offizier vom Wachdienst seegehende Einheiten (StvOvWa sE). Dessen Aufgabe besteht darin, als militärischer Wachvorgesetzter die Dienstaufsicht über die auf den Schiffen und Booten eingesetzten zivilgewerblichen Wachteams zu führen.

Da während einer langen Seefahrt auch Dinge kaputt gehen können oder in Mitleidenschaft gezogen werden, steht in den kommenden Wochen eine Vielzahl von Instandsetzungsarbeiten an. Außerdem ist  eine Reihe von Anlagenprüfungen fällig. Wie ihr seht, gibt es immer etwas zu tun. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Maritim geprägt würde ich sagen, nach der Seefahrt ist vor der Seefahrt. Um in Übung zu bleiben, beabsichtigen wir, Ende Oktober wieder für zwei Wochen in See zu stechen, um ein Einzelausbildung (ISEX) in der Nordsee durchzuführen. Ziel der Tour wird das Training der Besatzung in Gefechtssituationen sowie in der Schadensabwehr sein.

Doch bevor es soweit ist, freuen wir uns auf euren Besuch in zwei Wochen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wenn sich das derzeitige Sommerwetter noch ein wenig hält, steht uns nichts mehr im Wege. Bis dahin verbleibe ich mit lieben Grüßen von der Besatzung des EGV BONN und mir, eurem neuen Patenschaftsoffizier.

Viele Grüße

Nicol

 

Bordbericht 02-2016


Einsatzgruppenversorger BONN

Fernmeldeoffizier

Standing Nato Maritime Group 2

Liebe Freunde des EGV BONN!

„Nichts ist so beständig wie die Änderung!“

Dieses bekannte Sprichwort ist als Titel für die vergangenen Wochen an Bord des Einsatzgruppenversorgers BONN sehr passend. Aufgrund all der Veränderungen und der damit einhergehenden Geschehnisse ist es deutlich an der Zeit auch Sie/Euch an diesen teilhaben zu lassen.

Zum Zeitpunkt des letzten Patenschaftsberichts befand sich die BONN als Flaggschiff des SNMG2 Verbandes im Mittelmeer und hatte einen Hafenaufenthalt in Souda gerade hinter sich gebracht. In der Zwischenzeit hat sich vieles für das Schiff und die Besatzung verändert. Der EGV BONN ist weiterhin das Flaggschiff der SNMG2, der Auftrag des gesamten Verbandes hat sich jedoch gewandelt. Die ursprünglich geplanten Vorhaben und Manöver, unter anderem im Schwarzen Meer, konnten nicht durchgeführt werden, da die SNMG2 zur Seeraumüberwachung und Beobachtung von Schleuser- und Migrantenbewegungen in die Ägäis befohlen wurde. Diese Entscheidung wurde sicherlich auch in den Heimatmedien durch die Freunde des EGV BONN verfolgt.

Der Verband verlegte nun sofort in die Ägäis und überwacht dort seit Februar das Seegebiet in der Nähe der griechischen Insel Lesbos und dem türkischen Festland. Diese plötzliche Änderung stellte die Besatzung vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Die Soldatinnen und Soldaten an Bord setzten sich mit der Tatsache auseinander, dass man nun in einer Region operierte, in der ein Kontakt mit Flüchtlingsbooten durchaus denkbar war. Für ein solches Szenario war das Schiff bis dato nicht ausgerüstet. Weder das benötigte Personal noch Material befand sich zu Beginn an Bord. Da aber vorerst keine Möglichkeit bestand all diese Dinge sofort einzuschiffen, musste die Besatzung als großes Team und mit viel Kreativität einige Schwierigkeiten überwinden.

Das Schiff bereitete sich auf eine denkbare Anbordnahme von Flüchtlingen im Rahmen seiner Möglichkeiten vor. Diejenigen, die bereits aus vorherigen Verwendungen oder Einsätzen Erfahrungen auf diesem Gebiet oder allgemein mit der Organisation einer Aufnahme, Durchsuchung und Registration von schiffbrüchigen Personen an Bord hatten, schlossen sich zusammen und konnten gemeinsam ein Konzept und einen Ablaufplan für eine mögliche Aufnahme erstellen. Einige ausgewählte Kameraden wurden für den direkten Kontakt und die Durchsuchung der Personen und deren Gepäck ausgebildet, sodass die an Bord aufgenommenen Personen keine Waffen oder gefährliche Gegenstände mit an Bord bringen konnten. Hinzu kamen viele logistische Fragen, die einer Klärung bedurften. Es musste an Bord ein Aufenthaltsort für die Personen vorbereitet werden. Insbesondere die Frauen und Männer des Decksdienstabschnittes und der Schiffstechnik arbeiteten daran alle benötigten Utensilien für den Fall der Fälle zu erstellen. Die Soldatinnen und Soldaten der Schiffsbetriebstechnik zimmerten beispielsweise innerhalb kürzester Zeit eine erste Möglichkeit zur Verrichtung der Notdurft inklusive einer Sichtabschirmung zusammen.

Oftmals gab es in dieser Zeit Momente, in denen es zunächst unmöglich schien ein Projekt erfolgreich abzuschließen, es zeigte sich jedoch immer wieder, dass die Besatzung der BONN als Gemeinschaft fast jede Hürde überwinden konnte. Ich persönlich war sehr beeindruckt von der Einsatzbereitschaft und dem Teamgeist auf dem gesamten Schiff. Doch nicht nur die Stammbesatzung stand nun vor neuen Herausforderungen.

Ebenso musste der eingeschiffte Stab an Bord unter der Leitung von Flotillenadmiral Jörg Klein alle vorherigen Planungen für den Verband absagen und die Aufgaben innerhalb des Verbandes neu definieren. Hinzu kamen diplomatische Verzögerungen, die eine Einfahrt in die Territorialgewässer der Türkei zunächst behinderten. Die Beziehung zwischen den Staaten Griechenland und Türkei ist geschichtlich bedingt bekanntermaßen zeitweise äußerst angespannt. Für den COM SNMG2 (FltlAdm Klein) als Verbandsführer brach daher eine verhandlungsintensive Zeit  an. Er reiste des Öfteren kurzzeitig nach Ankara in der Türkei oder nach Athen in Griechenland, um dort diplomatische Verhandlungen zu führen und den Auftrag der SNMG2 in der Ägäis bestmöglich mit Hilfe des ihm unterstellten Verbandes erfüllen zu können.

Nachdem alle diplomatischen und politischen Voraussetzungen gegeben waren, begannen die Einheiten des Verbandes mit der Seeraumüberwachung zwischen der Insel Lesbos und dem türkischen Festland. Auch die BONN patrouillierte regelmäßig in diesem Gebiet und hielt Ausschau nach möglichen Migranten- oder Schleuserbooten. Parallel dazu wurde zunehmend die Zusammenarbeit mit den bereits vorhandenen Einheiten der Grenzschutzagentur „FRONTEX“ und den jeweiligen Einheiten der griechischen und türkischen Küstenwachen vorangetrieben und verbessert. Wurde ein auffälliger Überwasserkontakt von einer Einheit der SNMG2 wahrgenommen, meldete diese das Fahrzeug an die jeweils zuständige Küstenwache und die FRONTEX Einheiten. Diese fuhren daraufhin näher an den Kontakt heran und waren in der Lage eventuelle Migranten direkt vor Ort an Bord zu nehmen.

Bis heute ist es bei dieser Vorgangsweise geblieben. Die BONN hat bisher keine Flüchtlinge an Bord aufgenommen. Das internationale Seerechtsübereinkommen besagt jedoch, dass jedes Schiff dazu verpflichtet ist Schiffbrüchige aufzunehmen. Es ist also weiterhin nicht auszuschließen, dass auch wir in die Situation geraten Schiffbrüchige aufnehmen zu müssen. Das Übereinkommen gilt jedoch weltweit und könnte daher ebenso in der Nordsee, Ostsee oder auf den Weltmeeren eintreten. Hier in der Ägäis steigt dennoch die Wahrscheinlichkeit eines solches Falles an, da die Schleuser teilweise sehr kleine und überladene Schlauchboote auf den Weg schicken, sodass die Überfahrt für die Flüchtenden weiterhin extrem gefährlich ist.

Trotz einer Zeit vieler Änderungen lief die BONN weiterhin regelmäßig in verschiedene Häfen ein. Dies diente zum einen der Nachversorgung mit Material, Proviant und Personal und zum anderen der Erholung der Besatzung. Im Monat Februar sind wir ein zweites Mal in Souda auf Kreta eingelaufen. Hier konnten sich die Frauen und Männer der BONN in der nahegelegenen Stadt Chania eine Auszeit von ihrem Bord- und Einsatzalltag gönnen und auch dieses Mal wieder den US Stützpunkt und den dortigen Einkaufsmarkt, den sogenannten Navy Exchange Store, besuchen. Da ja bekanntlich aller guten Dinge drei sind, lief die BONN Mitte März nochmals in Souda ein, sodass die Besatzung bereits darüber schmunzelte, dass der EGV BONN nun mehr Tage des Jahres 2016 in Souda gewesen sei als in Wilhelmshaven, dies somit ja jetzt eigentlich ein zweiter Heimathafen wäre.

Zwischen den Hafenaufenthalten hielt sich die BONN innerhalb der Ägäis und zumeist in der Nähe von Lesbos auf und führte ihre „Patrouillen“ zwischen dem türkischen Festland und den griechischen Inseln durch. Immer wieder tauchte dieser Einsatz in den deutschen Medien auf und viele politische Entscheidungen, unter anderem auch das EU-Türkei-Abkommen, hatten Einfluss auf die Lage hier vor Ort. Im weiteren Verlauf des Einsatzes konnten weitere Gebiete, wie beispielsweise die Region zwischen der Türkei und der griechischen Insel Chios, festgelegt werden, die seitdem ebenfalls regelmäßig durch den Verband befahren werden. Insgesamt fiel auf, dass die Zahl der gesichteten Migrantenboote im Laufe der Operation stetig abnahm. Inwiefern diese Abnahme in einem kausalen Zusammenhang zu der Präsenz des Verbandes vor Ort oder den politischen Abkommen steht, kann nicht bewertet werden. Es ist jedoch sehr positiv, dass die Zahl der gefährlichen Überfahrten abgenommen hat.

Ende März war es dann soweit. Über Ostern stand ein neuer Hafen auf dem Programmplan der BONN: Piräus. Dieser Hafen ist bereits Teil der ursprünglichen Hafenplanung gewesen und mit fünf Tagen Aufenthalt der bisher längste, sodass viele Besatzungsmitglieder entweder für einen Kurzbesuch in die Heimat ausflogen oder ihren Besuch nach Athen kommen ließen. Es war deutlich zu spüren, dass diese Auszeit die Motivation der Besatzung deutlich steigerte und gerade im Vorfeld die Vorfreude auf ein kurzes Wiedersehen mit der Familie oder Freunden bei vielen sehr groß war. All diejenigen, die keinen Besuch geplant hatten, konnten in Piräus und dem nahe gelegenen Athen ebenfalls auf andere Gedanken kommen. Viele Soldatinnen und Soldaten besichtigten die Akropolis oder lernten die Stadt bei einem Bummel durch die Gassen der Innenstadt kennen. In einer Großstadt wie dieser gibt es unzählige Möglichkeiten einen wachfreien Tag zu genießen und neue Energie für den nächsten Seefahrtsabschnitt zu sammeln. In diesem Hafen stieg dann auch der Ihnen/Euch bekannte Patenschaftsoffizier André Arzt aus und mir wurde die Aufgabe des Patenschaftsoffiziers übertragen. Als gebürtige Rheinländerin freue ich mich auf den Kontakt zu Ihnen/Euch in meiner Heimat. André Arzt wird nun im Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr in Köln tätig sein, sodass er sicherlich auch die Freunde der BONN von dort aus hin und wieder besuchen wird. Sein Abschied war einer von vielen, denn weitere Personalveränderungen an Bord sollten bald darauf folgen. In diesem Hafen beendete ebenfalls der Schiffsbetriebstechnikoffizier seine Zeit an Bord des EGV BONN beendet und ist nun im Einsatz- und Ausbildungszentrum der Marine in Neustadt in Holstein stationiert.

In der Zwischenzeit ist ein Großteil der von uns geforderten Materialien angeliefert worden und das dringend benötigte Fachpersonal befindet sich an Bord. Unter anderem fahren wir nun mit sechs Feldjägern, zehn Panzergrenadieren, einem Sprachmittler, einem TACOM-Feldwebel, einem zusätzlichen Facharzt und einem Rechtsberater zur See. Leider besteht die Feldjägergruppe nicht aus Soldaten der befreundeten Feldjägerkompanie in Bonn. Da die eingeschifften Kameraden teilweise von Hause aus keine Marinesoldaten sind, ist es immer wieder spannend mit ihnen zusammen den Alltag an Bord zu erleben, da sie uns zu Beginn nur verwirrt angesehen haben, wenn man ihnen den Weg von A nach B mit den Worten: „Da gehen Sie einfach den Niedergang runter, durch das Schott und gehen dann auf Bb Seite entlang.“ anstelle von „Da gehen Sie einfach die Treppe runter, durch die Tür und gehen dann auf der der linken Seite entlang.“ erklärte. Mittlerweile haben sich aber alle sehr gut bei uns eingelebt und die Meisten fühlen sich auf der BONN genauso wohl wie die Stammbesatzung. Wir als Besatzung konnten sehr viel von den vorhandenen Fachkräften lernen. Gerade in Bezug auf den Umgang und die Sicherheitsdurchsuchung von an Bord aufzunehmenden Personen konnten die Feldjäger der Besatzung viel Wissen vermitteln und die für den Fall einer Anbordnahme ausgewählten Kameraden explizit darauf vorbereiten und mit ihnen trainieren. Besonders durch ihre Anwesenheit und die Gegenwart der zehn zusätzlichen Panzergrenadiere fühlt sich die Besatzung handlungssicher und weiß, dass sie im Notfall auf die volle Unterstützung der Kameraden vertrauen kann.

Während wir uns Anfang April als Flaggschiff weiterhin in der Ägäis aufhielten, fuhr die HMCS Fredericton in das Schwarze Meer und führte dort die ursprünglich geplanten Manöver mit den lokalen Marineeinheiten durch. Leider konnten wir sie dorthin nicht begleiten, da der COM SNMG2 von Bord des EGVs aus den Verband in der Ägäis führte und er vor Ort sein musste.

Für Abwechslung im Alltag der Besatzung auf See sorgte unter anderem auch der runde Geburtstag unseres Kommandanten im April. Die Bäcker und Smuds an Bord hatten zu diesem Anlass einen Kuchen für die gesamte Besatzung gebacken, der dann von allen zusammen im Hangar vernascht wurde. Auch eine mannshohe Torte aus Klopapierrollen als scherzhaftes Geschenk der Kameraden des Decksdienstabschnittes an den Kommandanten wurde von der Besatzung bei diesem Anlass bestaunt.

Der erste Hafen der BONN im April war der türkische Hafen Izmir. Nach all den griechischen Häfen war es sehr abwechslungsreich eine neue Stadt kennen zu lernen. Unser Liegeplatz vor Ort war sehr stadtnah, sodass wir zu Fuß innerhalb von fünf bis zehn Minuten viele Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten erreichen konnten. Am Einlaufabend fand im Hangar eine Besatzungsfeier statt, bei der unser Zweiter Radarmeister an seinem DJ-Pult für eine gefüllte Tanzfläche und sehr gute Stimmung sorgte. An diesem Abend feierte die Besatzung zusammen und die Gemeinschaft an Bord wurde weiter gestärkt. Einige geschichtlich Interessierte, die es im Januar von Aksaz aus nicht nach Ephesos geschafft hatten, machten sich nun von Izmir aus auf zu der historischen Ausgrabungsstätte. Auch das Kulturprogramm kam also nicht zu kurz.

Im darauf folgenden Seefahrtsabschnitt begann der „Besuchsmarathon“ hier an Bord. Da die Operation der SNMG2 in der Ägäis sowohl in der deutschen Heimat als auch in den anderen NATO Mitgliedsstaaten immer wieder Thema der aktuellen Politik und der Medien ist, besuchten uns im April viele hochrangige Politiker und Vertreter der NATO. Den Anfang machte am 20.April 2016 die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen. Sie besuchte den Einsatzgruppenversorger BONN und wurde durch den COM SNMG2, FltlAdm Klein, über die aktuelle Lage vor Ort im Operationsgebiet informiert. Zusätzlich hielt sie eine Ansprache an die angetretene Besatzung des Schiffes. Für die meisten Kameraden an Bord war der Besuch der Ministerin mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden, da unser Schiffswachtmeister verständlicherweise bei solch hohem Besuch durch ein verlängertes „Reinschiff“, also dem Putzen, Wischen, Polieren und Fegen, dafür sorgte, dass die BONN sich von ihrer besten Seite zeigte. Diese Mehrarbeit hat sich jedoch gelohnt, da durch den Besuch der Ministerin deutlich wurde, welch hohen Stellenwert unsere aktuelle Arbeit in der Bundesrepublik genießt. Diese Wertschätzung und auch die Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs der Besatzung mit der Ministerin ist den Soldaten in sehr guter Erinnerung geblieben. Der von Ihnen/Euch gestiftete Beethoven hatte ebenso die Möglichkeit die Ministerin kennen zu lernen, da wir ihn zur Unterstützung des Empfangskomitees im Hangar positioniert hatten.

Nur einen Tag später schwebte schon der nächste Besucher mit seinem Helikopter auf dem Flugdeck des EGV ein. Der Einsatzgruppenversorger BONN hatte die Ehre den NATO Generalsekretär Jens Stoltenberg an Bord begrüßen zu dürfen. Er zeigte sich sehr interessiert an der Arbeit des Verbandes und den Bedingungen vor Ort. Während seines Pressetermins auf der Brücke nahm er sich die Zeit sowohl mit den Frauen und Männern in der Nock als auch auf der Brücke zu sprechen, sodass er der Besatzung als äußerst freundlicher und aufmerksamer Ehrengast im Gedächtnis bleiben wird.

Am nachfolgenden Tag liefen wir im griechischen Thessaloniki ein. Wie schon bereits in Izmir lagen wir hier ebenso zentral in der Nähe des Stadtkerns an der Pier, sodass die Besatzung viel Zeit in den Restaurants und Cafés der Stadt verbringen konnte. Die Einkaufsmöglichkeiten waren hier ebenfalls fußläufig zu erreichen. Einige wenige unternahmen einen Ausflug auf den Olymp oder zu nahegelegenen heißen Quellen. Am 25. März wurde der EGV BONN in diesem Hafen von dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages Dr. Bartels besucht. Auf seiner Reise zum Deutschen Kontingent COUNTER DAESH in Inçirlik legte er einen Zwischenstopp auf der BONN ein und sah sich unser Schiff während eines Rundganges genauer an. Er wurde über unseren aktuellen Auftrag und die Lage des Verbandes informiert und erkundigte sich nach der Situation im Operationsgebiet. Anschließend nahm er sich ausgiebig Zeit, um mögliche Probleme und Sorgen der Soldatinnen und Soldaten aufzunehmen und das Gespräch mit ihnen zu suchen. Da sich derzeit an Bord viele Fragen und Nöte der Besatzung um das Themengebiet der Soldatenarbeitszeitverordnung drehen, war dies eines der Hauptthemen des Gesprächs. Wir hoffen nun, dass er den Besuch als ebenso positiv empfunden hat wie die BONN und die angesprochenen Punkte mit in den politischen Alltag nach Berlin nimmt.

Nach diesem weiteren Ehrengast an Bord begab sich der Einsatzgruppenversorger am nächsten Morgen wieder auf See in Richtung der Patrouillengebiete. Während des nun folgenden Abschnittes in See ging ein weiterer Monat zu Ende. Da der Übergang vom April in den Mai jedoch auch an Bord nicht ungeschmückt verlaufen sollte, wurde durch die Kameraden des Decksdienstabschnittes kurzerhand ein kleiner aber feiner Maibaum auf dem Flugdeck errichtet. Dadurch konnten wir hier an Bord wenigstens einen Teil der heimatlichen Bräuche nachempfinden, die wir gerade zu Hause verpassten. Der Mai war nun also gekommen und nicht die Bäume schlugen aus, sondern neue Besuchsankündigungen trafen bei der Schiffsführung ein. Für den Monat Mai kündigten sich der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Grübel, der deutsche Generalinspekteur, der britische Verteidigungsminister und der türkische Generalinspekteur zusätzlich zu einem großen Medienbesuch vielzähliger deutscher Medienvertreter an. Der türkische Inspekteur machte zu Beginn des Monats den Anfang und besuchte den Stab der SNMG2 auf dem EGV BONN und war somit auch ein Ehrengast an Bord unseres Schiffes.

Nach diesem ersten Besuch liefen wir in Piräus ein. Dies war unser zweiter Aufenthalt in der Hafenstadt Athens, die wie oben schon erwähnt als Großstadt auch bei einem zweiten Besuch noch abwechslungsreiche Freizeitmöglichkeiten zu bieten hatte. Einige Soldaten nutzten die Zeit auch, um mit einem Mietwagen das nähere Umland oder das Orakel von Delphi zu erkunden. Während des Hafenaufenthaltes führte der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Grübel seinen Besuch an Bord durch. Er zeigte sich wie all seine Vorgänger ebenfalls äußerst interessiert an der Operation in der Ägäis und der Situation der Besatzung. Im Rahmen einer persönlichen Gesprächsrunde konnten Teile der Besatzung auch hier direkt viele Themen mit ihm besprechen und ihre Fragen stellen. Zum Auslaufen aus Piräus gingen der Schiffsoperationsoffizier und unser Schiffsarzt nach langer Zeit zum letzten Mal von Bord. Die beiden werden nun ihren Weg auf der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern und im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg weiter gehen. Da ihr Flug erst einige Stunden nach dem Auslaufen ging, konnten sie die Leinen der Bonn zusammen mit den Leinenhändlern loswerfen und ihr „Heimatschiff“ somit auf die Reise schicken.

Nun befinden wir uns seit dem  7. Mai also mit einer neuen Schiffsärztin an Bord wieder auf See und werden bald unseren nächsten Hafen Thessaloniki erreichen. Auch wenn wir dort im letzten Monat bereits schon einmal waren, freuen sich die Soldatinnen und Soldaten der BONN auf einige wenige Tage der Erholung. Nach dem bevorstehenden Hafenaufenthalt wird dann der Besuchsmarathon durch die Besuche des deutschen Generalinspekteurs der Bundeswehr und des britischen Verteidigungsminister beendet. Nicht viele Schiffe der deutschen Marine können von sich behaupten in solch kurzer Zeit so viele hochrangige Ehrengäste an Bord gehabt zu haben wie der Einsatzgruppenversorger BONN. Durch die Besuche wurden das Schiff und die Besatzung und vor allem die Operation in der Ägäis immer wieder in den Fokus der heimatlichen Medien gerückt, sodass Sie/Ihr sicherlich auch Vieles von Zu Hause aus mitverfolgen konnten/konntet.

Für die Besatzung ist mittlerweile das Ende des Einsatzes bereits in Sicht und die Stimmung an Bord ist dadurch derzeit sehr positiv. Alle anfänglichen Ungewissheiten konnten im Laufe der Zeit abgelegt werden und die BONN fährt vorbereitet auf mögliche Szenarien im Operationsgebiet und vor allem als stolzes Flaggschiff durch die Ägäis.

Die vor einigen Wochen gestartete Darts Liga, an der einige Kameraden fleißig teilnehmen, wird innerhalb der nächsten Zeit zu einem Ende kommen und einen Sieger hervorbringen. Neben dem Dartsport hat sich die Besatzung in den letzten Monaten durch viele weitere Sportarten fit gehalten. Durch das oftmals gute Wetter konnten täglich nach dem Dienst viele begeisterte Läufer an Oberdeck gesichtet werden und der Sportraum war ebenfalls zu meist sehr gut gefüllt. Die neuen Rudermaschinen an Bord und das durch den Ersten Offizier angebotene Zirkeltraining in den Abendstunden werden sehr gerne angenommen.  Die Freunde des EGV BONN können sich also auf eine gesunde und topfitte Besatzung bei einem Wiedersehen nach unserer Heimkehr freuen. Wir bedanken uns hiermit noch einmal recht herzlich beim Lions Club Bonn für die großzügige Spende unserer neuen Trikotsätze. Die Trikots wurden uns in den Auslandshafen nachgeliefert und haben der Fußballmannschaft bereits viel Freude während eines ersten Trainings im Hafen bereitet.

Bis dahin haben wir voraussichtlich noch drei Häfen und einige Seetage vor uns, bevor wir dann nach einer Übergabe an das nachfolgende Flaggschiff, die Fregatte KARLSRUHE, den Rücktranist in Richtung Wilhelmshaven antreten werden. Leider können wir es nach der derzeitigen Lage nicht schaffen pünktlich zum 24. Juni in Wilhelmshaven zu sein. Unsere Rückkehr wird sich in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Übergabezeremonie vermutlich um einige wenige Tage nach hinten verschieben. Sobald wir diesbezüglich ein gesichertes Einlaufdatum wissen, werde ich Ihnen/Euch dieses natürlich mitteilen, da sich eventuell auch einige Freunde der BONN auf den Weg nach Wilhelmshaven machen möchten, um die Besatzung und das Schiff zu begrüßen.

Die Besatzung des Einsatzgruppenversorgers Bonn freut sich auf die nächsten 1 ½ Monate in der Ägäis und die anschließende Heimkehr nach Wilhelmshaven. Auch wenn dort viele Fragen bezüglich der neuen Wachregelungen und der Soldatenarbeitszeitverordnung warten, freuen sich doch zunächst einmal alle auf die Heimat und ein Wiedersehen mit Freunden, der Familie und Bekannten, sodass diese Herausforderungen derzeit noch weit weg zu sein scheinen.

Ich persönlich freue mich darüber ab jetzt in regelmäßigem Kontakt zu allen Freunden und Förderern der BONN und dem Freundeskreis des EGV BONN zu stehen. Ich hoffe viele von Ihnen/Euch möglichst bald beim Einlaufen, während eines möglichen Patenstadtbesuchs oder spätestens auf dem Weihnachtsmarkt in Bonn 2016 persönlich kennen zu lernen. Als Ansprechpartner stehe ich gerne zu Verfügung und freue mich sehr über Nachrichten aus unserer schönen Patenstadt.

Ich wünsche Ihnen/ Euch allen ein schönes Pfingstfest und eine sonnige Frühlingszeit.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr/ Euer Patenschaftsoffizier Henriette Hackmann

 

Bordbericht 01/16


Einsatzgruppenversorger BONN
Dritter Schiffsversorgungsoffizier

 

Standing Nato Maritime Group 2

Liebe Freunde des EGV BONN,

die ersten Wochen der diesjährigen Seefahrt sind vorüber und ich möchte die Möglichkeit nutzen, ein Resümee zu ziehen sowie einen kleinen Ausblick auf die zukünftigen Vorhaben zu geben.

Ich möchte zudem noch einige Worte zum Ende des letzten Jahres verlieren, da vor allem die Teilnahme am 2. GOST wegweisend für den EGV BONN war. Wie bereits freudig mitgeteilt, konnte unsere Einheit im November letzten Jahres erstmalig die internationale Einsatzreife im GERMAN OPERATIONAL SEA TRAINING (GOST) nachweisen. Alle Ausbildungsinhalte der vorangegangenen Monate wurden in einer weiteren mehrwöchigen Ausbildungs- und Prüfungsphase in Plymouth konzentriert. Dies verlangte der Besatzung sehr viel ab, da zahlreiche Serials (Übungen) am Tag durchgeführt wurden. Wie bereits in einem vorangegangenen Patenschaftsbericht erwähnt, umfassten die Manöver jegliche Bereiche des Schiffes. So wurde großer Wert auf die Schadensabwehrausbildung, die Sanitätsausbildung, Hubschrauberbetrieb, Fahren durch einen minengeräumten Kanal, Mann-über-Bord-Manöver, Flugbetrieb, Replenishment at Sea (RAS), Maschinenstörübungen und natürlich die gesamte operative Lage rund um Speedboatabwehr sowie Angriffe aus der Luft gelegt. Das Fahren mit anderen Einheiten im Verband zählte ebenfalls zu den Schwerpunkten der Ausbildung und späteren Prüfung. Dabei stand uns unser Schwesterschiff, die FRANKFURT AM MAIN, zur Seite, da sie ebenfalls zu diesem Zeitpunkt den GOST absolvierte. Dieses facettenreiche Aufgabenmosaik musste von der Besatzung mindestens  mit einem SATISFACTORY bestanden werden, um die Einsatzreife festzustellen. Am Ende schaffte dies die Besatzung um unseren Kommandanten und dem EGV BONN wurde die Einsatzreife als COMBAT SUPPORT SHIP ausgesprochen. Nach dieser strapaziösen Zeit war an Urlaub leider nicht zu denken. Ein letzter Baustein des Einsatzausbildungsprogramms (EAP) lag noch vor uns. Die ABC-Abwehr-Fähigkeits-Überprüfung, kurz AFÜ, musste von der gesamten Besatzung absolviert und mit einer Prüfung verifiziert werden. Die Besatzung wurde also in den Wochen nach Erreichen des Heimathafens fit gemacht in der Abwehr mit atomaren, biologischen und chemischen Waffen. Neben einem Theorie-Test, welcher von der gesamten Besatzung geschrieben werden musste, umfasste die Prüfung die praktische Handhabung mit ABC-Abwehr-Ausrüstung, Sanitätsmaterial sowie den richtigen Verhaltensweisen bei ABC-Alarm. Dieser Ausbildungsabschnitt wurde abermals gut von den BONN’ern gemeistert, weshalb man sich danach in den verdienten Weihnachtsurlaub verabschieden konnte. Doch auch dieser war für manche nur von kurzer Dauer, da bereits für die bevorstehende große Fahrt ab Anfang Januar das Schiff eingerüstet und nochmalig verschiedene Anlagen überprüft werden musste(n). Diese Arbeiten wurden parallel zu vereinzelten Vorbesprechungen im Zuge der SNMG2 getätigt.

Um der Besatzung noch einmal etwas Abwechslung und das Zusammensein mit den Freunden der BONN zu bieten, wurde selbstverständlich auch 2015 der traditionelle Weihnachtsmarkt des EGV BONN in seiner Patenstadt abgehalten. Uns konnte wieder der angestammte Platz vor dem Münster zur Verfügung gestellt werden, was letztlich eine sehr positive Auswirkung auf die Besucherfrequenz hatte.

Auf dem Weihnachtsmarkt konnten beeindruckende Spendenergebnisse erzielt und zwei Projekte unterstützt werden. Dabei handelt es sich zum einen um eine Spende zur Erhaltung der St. Martins-Tradition in Bonn, zum anderen wurde ein Spendenscheck an die Wilhelmshavener Tafel übergeben. Beide Schecks wurden mit jeweils 800,-€ dotiert. Abermals konnte die Zeit in Bonn zum netten Beisammensein sowohl auf dem Weihnachtsmarkt als auch auf geselligen abendlichen Veranstaltungen genutzt werden. Dieses alljährliche Event bildete den Abschluss des ereignisreichen, ausbildungsgeprägten und dadurch seefahrtsintensiven Jahres des Einsatzgruppenversorgers BONN. Mit Spannung und Freude verabschiedete sich ein Großteil der Besatzung in den kurzen Weihnachtsurlaub, bevor in der ersten Januar-Woche der nächste bedeutende Abschnitt unserer BONN anstand.

Nach Auslaufen aus Wilhelmshaven am 09. Januar stand für die Besatzung der BONN der Transit in das Mittelmeer an. Des Weiteren im Vordergrund war die schnellstmögliche Integration des an Bord befindlichen internationalen Stabes um Flottillenadmiral Klein. Der Stab arbeitet bei uns an Bord weitestgehend autark und dient im weiteren Verlauf des Einsatzes der Führung und Koordinierung des gesamten Verbandes. Ähnlich wie die schiffsinterne Arbeitsweise gibt es für jeden Abschnitt (Technik, Logistik, Operation, etc.) einen Leiter, welcher mit Hilfe seines Unterbaus die Vorgaben des Commanders SNMG2 (COM SNMG2-FltlAdm Klein) und dessen übergeordneten Dienststellen umsetzt. Dabei müssen jegliche Begebenheiten der im Verband befindlichen Einheiten beachtet werden, um schlussendlich einen Ablaufplan zu erstellen, welcher von allen Schiffen eingehalten werden kann. Bevor wir jedoch auf die anderen Einheiten im Mittelmeer treffen sollten, stand die Überfahrt durch den englischen Kanal, die Biskaya und die Straße von Gibraltar nach Italien an. Vor allem im Golf von Biskaya musste sich die Besatzung richtige „Seemannsbeine wachsen lassen“. Aufgrund von stürmischem Wetter mit einhergehendem Seegang von bis zu 7-8m und der See von querab, wurden die weißen „Reisetüten“ vor dem Schiffslazarett in diesen Tagen doch häufiger nachgefüllt als sonst. Nach zwei Tagen waren wir wieder in Landabdeckung der portugiesischen Küste und die Besatzung konnte sich auf das erste Highlight freuen. Die Überfahrt vom Atlantik in das Mittelmeer. Somit konnten die ersten Fotos für das persönliche Fotoalbum gemacht werden und das erste Ziel Cagliari-Italien war nicht mehr fern. Dort angekommen wurden die BONN’er bei angenehmen 15-16 °C von einer typisch italienischen Hafenstadt mit deren besonderem Flair begrüßt. Die Schiffsführung bekam davon anfangs noch nicht so viel mit, denn sie hatten auf verschiedensten Meetings und Informationsveranstaltungen den ersten Einblick in die bevorstehenden Übungen und Vorhaben des Verbandes. In der Anfangszeit sollten eine italienische (ITS LIBECCIO) sowie eine kanadische Einheit (HMCS FREDERICTON) mit uns als Flaggschiff zusammenarbeiten. Diese lagen ebenfalls in Cagliari und waren auch bei den Meetings vertreten. Man konnte somit die zahlreichen Informationsveranstaltungen zudem dazu nutzen, sein Pendant des anderen Schiffes kennenzulernen. Außerdem wurden in Italien die ersten Offizieranwärter (OA’s) aufgenommen, welche innerhalb eines 5-wöchigen Praktikums das erste Mal mit der „Grauen Flotte“ in Berührung kommen sollen. Die dabei gemachten Erfahrungen sollen ihnen einen Einblick in das Leben an Bord eines Kriegsschiffes geben sowie in die Teilbereiche, in denen sie später gegebenenfalls arbeiten werden. Sie sind der erste von drei Törns, welcher auf die BONN „eingeschifft“ wird.

Nach drei Tagen Hafenaufenthalt lief der Verband aus und fuhr gen Osten. Der erste Auftrag nach Auslaufen aus Italien sollte der Transit ins östliche Mittelmeer sein und die dortige Mitarbeit am internationalen Einsatz „OPERATION ACTIVE ENDAVOUR“ (OAE). Hierbei stand nach erfolgreicher Integration des Stabes an Bord, die der Schiffe in den Verband im Vordergrund. OAE ist eine militärische Operation im Mittelmeerraum unter Führung der NATO. Ziel dieser Operation ist die Entdeckung und Abschreckung terroristischer Aktivitäten sowie die Demonstration der NATO-Solidarität. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde OAE ins Leben gerufen, um vor allem die Seeraumüberwachung zur Erfassung und Dokumentation des zivilen Seeverkehrs sicherzustellen.

Verschiedenste Übungen, ob tagsüber oder in der Nacht wurden durchgeführt, um die Arbeitsabläufe und eventuelle Besonderheiten der anderen Schiffe kennenzulernen, um damit zukünftig besser arbeiten zu können. Auf dem Tagesprogramm standen auch Seeversorgungsmanöver (Replenishment at Sea-RAS) und Flugbetrieb, bei dem sowohl der Helikopter der LIBECCIO als auch der Sea King der FREDERICTON angenommen wurden. Es konnten dabei aufregende Bilder von den drei Schiffen in Formation bzw. von den Helikoptern geschossen werden.

Im Rahmen von OAE wurden viele zivile Schiffe nach teilweise allgemeinen sowie individuellen Dingen von den im Verband befindlichen Schiffen abgefragt. Die Seewachen waren dementsprechend erpicht darauf, die spannenden Abfragen durchzuführen und konnten somit direkt an diesem internationalen Einsatz mitwirken. Falls zivile Schiffe unkooperativ wären oder zwielichtige Angaben machen würden, hätten die kanadische und italienische Einheit die Möglichkeit mit ihrem Boarding-Team auf die entsprechenden Schiffe zu gehen. Dies wurde im Rahmen der Zusammenführung im Verband ebenfalls geübt. Die BONN stellte dabei ein ziviles Handelsschiff dar, welches zu Beginn abgefragt wurde und fehlerhafte bzw. suspekte Aussagen machte, woraufhin das Szenario immer weiter „hochgefahren“ wurde. Dies ging so weit, dass ein Boarding-Team an Bord kam und die Crew und die Fracht durchsuchte. Diese Erfahrung war für die beteiligte Crew aus Freiwilligen einmalig und wird in der Heimat bei der Familie sicherlich für spannende Geschichten sorgen. Außerdem neu für die BONN war die Möglichkeit einer eventuellen Flüchtlingsaufnahme, weshalb auch dieses Szenario schiffsintern besprochen, analysiert und auf die schiffbaulichen und organisatorischen Begebenheiten der BONN angepasst und angewendet wurde. Bisher hatte die BONN noch keinen Kontakt zu Schiffbrüchigen oder Flüchtlingen, sodass es zum bisherigen Zeitpunkt bei Übungen, z.B. Stellproben blieb.

Um die Zeit an Bord möglichst abwechslungsreich zu gestalten, wurde eine FIFA16-Liga gegründet. Die zahlreich vertretenen Besatzungsmitglieder kämpfen in einigen ihrer freien Stunden, um den Ligagewinn. Des Weiteren hat sich die Besatzung für dieses Jahr anscheinend viel vorgenommen und treibt bemerkenswert viel Sport. Dies fiel sogar den OA’s auf, welche oft von einer ausgesprochen sportbegeisterten Besatzung sprechen. Diese Wahrnehmung wird durch gemeinsame Sportaktivitäten im Hangar (wie beispielsweise Bauch-Beine-Po oder Freeletics), die Bildung von Laufgruppen und dem stets gut gefüllten Sportraum unterstrichen. Die mediterranen Wetterbegebenheiten machen es der Besatzung zudem sehr erträglich auf See. Neben den sportlichen Aktivitäten gibt es auch andere Möglichkeiten der Betreuung. So wird durch die Verausgabung von Satellitentelefonen und die Nutzung der bordinternen Telefonmöglichkeiten sichergestellt, dass die Angehörigen zu Hause etwas von ihren Seefahrern hören.

Des Weiteren zu erwähnen sei eine Wahl, welche für sehr viel Kreativität und dem ein oder anderem Schmunzeln geführt hat. Die Wahl des Unwortes des Jahres 2015 auf dem EGV BONN. Nach Auszählung der Stimmen wurde dies ein Begriff, welcher uns vor allem während der beiden GOST immens prägte: TLF. Total Electrical Failure, sprich der gesamte Spannungsausfall an Bord. Die Prüfung dieses, in seltenen Fällen eintretenden Umstandes, bescherte der Besatzung die Heimfahrt vom ersten GOST sowie zahlreiche schlaflose Nächte für die Schiffsführung und die Schiffstechnik zwischen den beiden Trainings. Natürlich hatte das erfolgreiche Bestehen des TLF Auswirkungen für das gesamte Schiff und die Besatzung. Der GOST konnte somit ein weiteres Mal mit bekanntem Ergebnis durchlaufen werden.

Der erste Teil des OAE-Einsatzes hatte sein Ende mit Einlaufen in Aksaz, Südtürkei. In diesem Hafen fanden abermals Meetings statt, um mit dem neuen Mitglied des Verbandes, der TCG BARBAROS ersten Kontakt aufzunehmen. Diese türkische Fregatte ist von nun an Bestandteil der SNMG2 und nimmt den Platz der kurzzeitig abgelösten LIBECCIO ein. Diese werden wir jedoch im weiteren Verlauf des Einsatzes wieder in den Verband aufnehmen.

Am ersten Abend nach Einlaufen in Aksaz fand der erste große Empfang auf der BONN statt und die Besatzungen der BARBAROS, der FREDERICTON sowie weitere hohe Dienstgrade von umliegenden Einheiten und örtlich ansässigen Dienststellen wurden auf das Flaggschiff eingeladen. Bei netten Gesprächen bei gemütlicher Atmosphäre konnte ich höchstpersönlich einigen türkischen Mitfahrern Sehenswürdigkeiten auf dem Bonner Panoramabild, welches für den Empfang den Hangar zierte, präsentieren. Für die Besatzung gab es in diesem Hafen abermals zahlreiche Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben. Bei einem kleineren Fußballturnier wurden erste Kontakte zu den fußballbegeisterten Türken und Kanadiern geknüpft und weitere sportliche Events (Darts, Tischtennis) für zukünftige Häfen in Planung genommen. Auf einer angemieteten Bootstour entlang der Küste von Marmaris wurde die malerische Landschaft mit individuellen Musikbeiträgen von Besatzungsangehörigen und einem Apfeltee oder türkischem Kaffee genossen. Zudem wurde eine Busfahrt zu den antiken Stätten von Ephesos durchgeführt. Auf dieser kulturell geprägten Tour konnten die Mitfahrer eines der Sieben Weltwunder, den Tempel der Artemis sowie weitere Ruinen einer der ältesten, größten und bedeutendsten griechischen Städte Kleinasiens betrachten. Ansonsten nutzten die BONN’er die landestypischen Begebenheiten in der nahegelegenen Stadt Marmaris mit seinem ausgedehnten Basar und der ausgebauten Strandpromenade.

Nach Auslaufen steht nun eine gemeinsame Übung mit der türkischen Marine an, bevor es uns wieder Richtung Westen verschlägt. Nach erfolgreichem Absolvieren der Übungen liefen wir den Hafen in Souda, Griechenland an, um ein neues Mitglied in den Verband aufzunehmen. Die HS SALAMIS wird unseren Verband in den kommenden Wochen im Namen der griechischen Marine unterstützen. Wie bei den anderen Einheiten standen deshalb abermals erste Meetings an, um die Fregatte schnellstmöglich in den Verband zu integrieren. Für die Besatzung der BONN hieß dies wieder einmal ein Wochenende frei, bei dem sie die nahegelegene Stadt Chania sowie die amerikanische Base (mit amerikanischem Shop) erkunden konnten. Nach Verlassen des Hafens steht nun die Arbeit im Verband und für den NATO-Auftrag im Vordergrund. Aufgrund des Einsatzes kann man die BONN dabei nicht auf dem AIS-Tracker verfolgen und auch Positionsangaben werden zur Sicherheit von Schiff und Besatzung nicht übermittelt.

Alles in allem ist es eine aufregende Zeit auf dem Flaggschiff. Man kommt oft in Kontakt mit anderen Nationen (Stab, andere Einheiten, Einheimische in den Auslandshäfen) und auch die Häfen sind bisher äußerst interessant. Der internationale Stab sowie die Offizieranwärter wurden gut von der Besatzung aufgenommen und auch der Admiral zeigte sich bereits von der authentischen, freundlichen Art der BONN’er angetan. Die Besatzung wünscht den Bonner Jecken eine lustige Karnevalszeit und eine gute Fahrt mit der Santa Maria.

Ebenso wie die BONN vertritt die Santa Maria den guten Namen der Patenstadt. Sowohl auf dieser Fahrt als auch für die bevorstehenden Aktivitäten des Freundeskreises wünscht die Besatzung viel Spaß!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr/ Euer Patenschaftsoffizier André Arzt

 
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