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Berliner Zeitung

Rettungseinsatz Bundeswehr-Schiff „Bonn“ spürt Flüchtlinge im Mittelmeer auf

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Foto: AP

Izmir -

Hypothetische Erwägungen mag der Admiral nicht so gern. Jedenfalls nicht hier und nicht heute. „Ich habe keine Kristallkugel dabei“, erwidert Jörg Klein also eher schmallippig auf eine entsprechende Frage.

Die Frage lautet, was passiere, wenn das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei platze und plötzlich wieder ungezählte Flüchtlinge versuchen sollten, von dort zuerst nach Griechenland und anschließend weiter nach Mitteleuropa zu gelangen.

Der Admiral leidet nicht an mangelndem Selbstbewusstsein, durchaus nicht. „Willkommen bei mir“, sagt Klein zur Begrüßung, als habe er das 170 Meter lange Schiff gerade aus der heimischen Garage geholt.

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Foto: AP

Und dass der Informationsaustausch mit allen Beteiligten „hervorragend“ sei, das wiederholt er auch gern mehrfach. Aber –  Sorry! – aus der Politik hält er sich raus.

„Bonn“, größtes Schiff der Bundeswehr

Wir stehen auf dem Einsatzgruppenversorger „Bonn“, dem größten Schiff der Bundeswehr, das gerade in der westtürkischen Millionenstadt Izmir vor Anker liegt. Es ist nicht nur 170 Meter lang, sondern hat elf Decks, einen 10 000 PS starken Motor und verbraucht 1600 Liter Sprit – in der Stunde.

Aktuell ist die „Bonn“ das Flaggschiff einer Nato-Flotte aus sieben Schiffen und Booten, deren Hauptaufgabe darin besteht, Flüchtlinge aufzuspüren. Es ist die sanftere von zwei Flüchtlings-Missionen dieser Art, in die die Bundeswehr derzeit involviert ist.

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Foto: AP  Admiral Jörg Klein

EU-Mission „Sophia“

Zwischen Italien und der libyschen Küste gibt es die EU-Mission „Sophia“. Sie ist dazu ausersehen, aus Libyen kommende Flüchtlinge von ihren klapprigen Schlepperbooten oder direkt aus dem Wasser zu ziehen.

Bis zum 7. Mai ist dies allein der Bundeswehr laut Marine 14359 Mal gelungen. Doch erst in der vorigen Woche sind in demselben Gewässer wieder Dutzende umgekommen. Einer, der die Möglichkeit hatte, den Einsatz zu begleiten und nun auf dem Deck der „Bonn“ steht, zeigt sich noch Wochen später beeindruckt – und erschüttert. „Es gibt keine Solidarität“, sagt er und meint – keine Solidarität zwischen den Flüchtlingen. Araber blickten auf Schwarzafrikaner herab.

Auf Frauen und Kinder werde keine Rücksicht genommen. Nichtsdestotrotz gebe es bei vielen Soldaten eine starke Identifikation mit der humanitären Aufgabe. Bei anderen überwiege die Skepsis, weil sie von zu Hause gespiegelt bekämen, ob es denn richtig sei, immer noch mehr Flüchtlinge nach Europa und damit nach Deutschland zu holen.

32917600b874f868Foto:  AP

In der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei ist die Not kaum wahrnehmbar. Der Einsatz unter dem Kommando der Nato begann nämlich, kurz bevor das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei in Kraft trat, in dem sich der Nato-Partner verpflichtet, Flüchtlinge aus Griechenland zurück zu nehmen. Es hat zur Folge, dass Flüchtlinge es kaum noch schaffen, sich von der Türkei aus in Bewegung zu setzen. Das macht die Angelegenheit weniger dramatisch.

„Aufklären, Überwachen, Beobachten“

Die offizielle Aufgabe der Nato-Flotte unter Führung der „Bonn“ besteht also darin, die Gewässer um die griechischen Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos in Augenschein zu nehmen.  „Aufklären, Überwachen, Beobachten“ – so laute der Auftrag, erklärt Admiral Klein in der Offiziersmesse unter Deck. Die gewonnen Informationen würden dann an die griechische und die türkische Küstenwache sowie die europäische Grenzschutzagentur Frontex weiter geleitet.

Der Auftrag laute jedenfalls ausdrücklich nicht, die Insassen der Boote anzusprechen, anzuhalten oder gar aufzunehmen. Verbunden mit der Information der Partner ist die Erwartung, dass die Flucht nicht gelingen möge. Hier allerdings spielt Tempo eine entscheidende Rolle.

Denn anders als auf hoher See zwischen Libyen und Italien sind die Distanzen zwischen Griechenland und der Türkei geringer. An der schmalsten Stelle beträgt der Abstand zwischen der türkischen Küste und einer der genannten Inseln drei Kilometer.

50 bis 60 Migranten in Schlauchbooten

Zwar sei die Zahl der Flüchtlinge wesentlich zurückgegangen, räumt Kommandeur Klein ein – im Wesentlichen aufgrund politischer Entscheidungen. Dennoch würden dann und wann 50 bis 60 Migranten in Schlauchbooten entdeckt, anderntags auch mal nur einer. Genaue Zahlen will er partout nicht nennen. Geraten Flüchtlinge trotz der kurzen Distanzen dennoch in Seenot, nimmt eines der Nato-Schiffe sie auf und bringt sie zurück in die Türkei.

Handelt es sich bei Flüchtlingen um Türken – beispielsweise aus dem kurdischen Kriegsgebiet im Südosten – trifft das deutsche Verteidigungsministerium eine, wie es heißt, „Einzelfallentscheidung“, was mit ihnen zu geschehen habe. So unwahrscheinlich ist das nicht. Es gibt in Deutschland schon heute 11000 anerkannte türkische Asylsuchende – und im Land 400 000 Binnenflüchtlinge.

Die zweite Aufgabe der Flotte in der Ägäis besteht darin, die seit Ewigkeiten zerstrittenen Nato-Partner Griechenland und Türkei zur Zusammenarbeit gleichsam zu zwingen. Immerhin haben seit Anfang vorigen Jahres knapp eine Million Menschen die Ägäis in westlicher Richtung überquert – vor Inkrafttreten des Abkommens. Admiral Klein und seine Leute sollen Griechen und Türken gewissermaßen auf die Sprünge helfen, die EU-Außengrenze zu sichern.

Aus einschlägigen Presseerklärungen verlautet denn auch, „Verbindungselemente“ von griechischen und türkischen Behörden befänden sich bereits an Bord der „Bonn“, damit sie wiederum direkten Kontakt mit ihren Hauptquartieren aufnehmen könnten. Manche sagen, die Kontrahenten einzubinden, sei derzeit der eigentliche Zweck des Ganzen.

Ob das so bleibt, weiß freilich niemand. Neuerdings zeigt sich, dass syrische Flüchtlinge, die es bis Griechenland schaffen, auch Asyl erhalten, weil die Türkei dort nicht als sicherer Drittstaat anerkannt wird – was den Reiz der Syrer zur Flucht übers Mittelmeer potenziell erhöht. Das Tauziehen zwischen Brüssel und Ankara über das Flüchtlingsabkommen geht unterdessen weiter.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht und gilt ohnehin als unberechenbar. Die Lage könnte also rasch wieder eine andere sein als jetzt.

Auf einschlägige Prognosen will sich Admiral Jörg Klein indes wie gesagt nicht einlassen. Für die „Bonn“ wiederum ist das Ende des Einsatzes absehbar; sie fährt am 19. Juni heim – nicht etwa nach Bonn, sondern nach Wilhelmshaven. Danach werden wohl andere Schiffe kommen.

 
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