Get Adobe Flash player

"Heizerleben"

„Elefantenfuß“ am Haken

In See, 13.05.2016.

Der Einsatzgruppenversorger „Bonn“ ist das Flaggschiff der NATO-Mission zur Überwachung der Schleuseraktivitäten in der Ägäis. Seefahrt bedeutet immer, dass alle mit anpacken. So auch beim Ausbau eines leckgeschlagenen Ventils. Das erfordert vor allem deshalb Teamwork, weil das Ventil 250 Kilogramm wiegt und die Stelle außen am Schiffsrumpf zusätzlich verschweißt wird. Der Ausbau des Seekühlwasseraustrittsventils ist daher ein schweißtreibender Tag für die „Antreiber“ der „Bonn“.

T_001

Der Schiffstechnische Offizier bespricht den Arbeitsablauf mit dem Antriebsmeister (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Die „Bonn“ ist gerade aus dem Hafen von Piräus ausgelaufen. Deutlich sind noch die Häuser rund um das Hafenbecken von Bord aus zu erkennen. Sogar die Akropolis in Athen könnten die Soldaten noch erkennen, wenn sie genau hinguckten. Doch das tun sie nicht, denn die Maschinen stoppen und der Anker fällt.

Keiner ist von der Unterbrechung überrascht, alle wissen Bescheid. Der Schiffstechnische Offizier, Kapitänleutnant Erik H., erklärt: „Wir haben ein defektes Seekühlwasseraustrittsventil. Wir haben das zurzeit mit einer Leckabdichtung geschlossen. Wenn das aber weiter platzt, käme Wasser ins Schiff. Das werden wir verhindern.“ Die geplante Reparatur ist für heute angesetzt: Außer den direkt mit der Reparatur beschäftigten Besatzungsmitgliedern gehen alle ihren Tätigkeiten weiter routiniert nach – der Smut kocht, der Funker funkt.

Tauchereinsatz, Tauchereinsatz

T_002

Die griechische Taucherfirma schweißt unter Wasser die Ventilöffnung zu (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Draußen hat inzwischen der Arbeitskahn einer griechischen Taucherfirma an der Steuerbordseite der „Bonn“ festgemacht. Durch die Schiffslautsprecheranlage kommt nüchtern die Durchsage: „Tauchereinsatz. Tauchereinsatz. Keine Wellen drehen, keine Pumpen schalten, keine Gegenstände außenbords. Tauchereinsatz. Tauchereinsatz.“ Die griechischen Taucher verschweißen unter Wasser die Öffnung des Ventils. Das dauert. Die „Bonn“ führt dieses Ersatzventil nicht mit. Die Belieferung aus Deutschland nimmt Zeit in Anspruch. Es muss gehandelt werden. Jetzt.T_003

 

Die Männer haben das Ventil mit Holz abgedichtet (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann
 „Wir müssen erst einmal sehen, dass die Gefahrenquelle verschwindet“, beschreibt der Schiffstechnische Offizier die Situation: „Wir machen die Austrittsöffnung von außen dicht. Im Maschinenraum werden wir nun das Ventil ausbauen und Blindplatten setzen. Wir sind deswegen extra auf Reede vor Anker gegangen, um die Reparaturen außerhalb des Hafens machen zu können. Im Hafen gibt es immer Schiffsbewegungen, da könnten die Taucher nicht arbeiten.“
Enteisung im Mittelmeer

Doch kann das Schiff ohne das Ventil fahren? Das Seekühlwasseraustrittsventil ist wichtig. Neun davon sind im ganzen Schiff verbaut. Sie sorgen für einen möglichst konstanten Druck des Wassers, das zur Kühlung der Motoren dem Meer entnommen wird – Seekühlwasser eben. Es tritt ein, wird in einen Kreislauf gepumpt, kühlt die Schiffsdiesel und tritt wieder aus. Da das defekte Ventil heute ausgebaut wird, nutzen der Schiffstechnische Offizier und sein Team eine Umleitung für das Kühlwasser. „Wir nehmen jetzt die Seekastenenteisung, um das Kühlwasser außenbords abzuleiten“, erklärt Kapitänleutnant Erik H., „so kommen wir erst einmal klar.“

Schweiß, Öl und ein Elefantenfuß

T_004

Die Bodenluken sind offen, die Hebezüge sind bereit (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Nach Stunden melden die griechischen Taucher, dass die Austrittsöffnung von außen verschweißt ist. Endlich! Nun kann im Maschinenraum die Arbeit losgehen. Ungeduldig haben die „Antreiber“, die Schiffstechniker um Antriebsmeister Hauptbootsmann Benjamin H. auf dieses Zeichen gewartet. Mit großen Schlüsseln lösen sie die fingerdicken Schrauben des Ventils. Es muss zwei Decks höher in die Maschinenwerkstatt gehievt werden. Circa 250 Kilogramm wiegt das Bauteil. Es ist so groß und unhandlich wie der Fuß eines Elefanten. Tragen? Unmöglich. Der Antriebsmeister hat große Arbeitsluken im Boden öffnen lassen. Aus der Maschinenwerkstatt lässt er jetzt Hebezüge zwei Decks tief in den Maschinenraum dorthin herab, wo das Ventil sitzt. Ketten rasseln, Stahl schlägt auf Stahl. Es riecht nach Schweiß und Öl.

Der „Antreiber“ und der kaputte Koloss

T_005

Das Ventil hängt am Haken – jetzt muss es nur noch nach oben (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Die Männer von Hauptbootsmann Benjamin H. nennen ihren Antriebsmeister liebevoll „den Antreiber“. Der hat jetzt das schwere Austrittsventil an den Haken gehängt. Die provisorische Leckabdichtung ist entfernt. Die Holzbalken sind weg. „Passt jetzt bloß auf!“, sorgt sich der „Antreiber“ um seine Männer, „Ich ziehe das jetzt hoch. Niemand von Euch geht unter das Ventil!“ Alle nicken. Wird die Last jetzt nach oben gezogen, hängen die 250 Kilo an den Ketten frei im Raum. Die Männer stemmen sich gegen den kaputten Koloss, um ihn in Position halten zu können. Der „Antreiber“ gibt an den Ketten alles. Zug um Zug. Hier malocht der Chef noch selbst. Alle Schrauben des Ventils sind zwar gelöst, doch noch liegt das Ventil durch das pure Eigengewicht unbeweglich in seiner Position.

„Haltet gegen!“

T_006

Die Antreiber halten den „Elefantenfuß“ damit er durch die Bodenluken passt (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Immer wieder greift Benjamin H. in die Ketten. Der Schweiß läuft ihm von der Stirn. Sein T-Shirt zeigt jetzt deutlich dunkle Flecken. Abwechselnd blickt er auf das Ventil und auf seine Männer. Plötzlich spannen sich die Ketten. Die 250 Kilo heben sich. „Es kommt!“, rufen sie durcheinander. Endlich! Der „Elefantenfuß“ hängt zwar fest am Haken. Doch er will sich in Richtung Maschinenraum aushängen. So würde er nicht durch die Arbeitsluke in der Decke passen. „Haltet gegen!“, presst Hauptbootsmann H. seinen Männern entgegen. Und die halten.

„Husi“ wird geholt

T_007

„Husi“ hält als Letzter gegen (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Immer höher zieht Hauptbootsmann Benjamin H. das Ventil. Jetzt hängt es bereits fast unter der Decke des Maschinenraums. Der Antriebsmeister arretiert den Kettenzug. Nun muss er über Gänge und Treppenschächte schnell ein Deck nach oben. Dort angekommen, greift er sofort wieder in die Ketten und zieht das Ventil unter großem Gerassel weiter nach oben. Unten drückt Hauptgefreiter Jens H., Spitzname „Husi“, als Einziger noch gegen das frei hängende Bauteil. Alle anderen sind dem „Antreiber“ bereits nach oben gefolgt und wollen es jetzt entgegennehmen. „Husi, lass es jetzt hängen!“, ruft der Hauptbootsmann nach unten. „Soll ich wirklich?“, fragt der von unten und reckt sein schweißnasses Gesicht nach oben. „Mach, wir brauchen Dich hier oben!“, erwidert der „Antreiber“ und zieht an den Ketten.

Jetzt hat er verloren

T_008

Die Männer ziehen das defekte Ventil in die Maschinenwerkstatt (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Oben in der Werkstatt haben die Männer inzwischen Haltetampen an den Kettenhaken angebracht, um das Ventil zu sich in die Werkstatt zu ziehen, wenn der „Antreiber“ es durch das Luk geholt hat. Die Soldaten ziehen was das Zeug hält. Doch so richtig bekommen sie es nicht auf die bereitgestellte Palette. Endlich kommt „Husi“ und greift mit zu. Jetzt klappt es. Gemeinsam schwenken sie den „Elefantenfuß“ auf die Palette. „Jetzt hat er verloren“, keuchen die Männer und lachen sich erleichtert an.

Einfach durchgerostet

T_009

Das schwere Ventil ist endlich in der Maschinenwerkstatt (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Der Schiffstechnische Offizier erläutert den Schaden: „Das Ventil ist offensichtlich durchgerostet. Woran das liegt, wissen wir nicht. Das können wir hier an Bord auch nicht feststellen. Die Ursache wird durch das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Explosivstoffe der Bundeswehr in Erding untersucht. Da wird es dann sicher eine Lösung geben. Wir haben unser Problem heute erst einmal gelöst und können weiterfahren. In der zivilen Seefahrt ist das ja auch nicht anders. Ein Reeder wird ein vollbeladenes Schiff ja auch nicht ohne Not ins Dock schicken, wenn er den Schaden anders beheben kann.“

Das Flaggschiff nimmt wieder Kurs

T_010

Geschafft: Die Antreiber der „Bonn“ sind mit ihrer Arbeit zufrieden (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Die Frauen und Männer auf der „Bonn“ können nicht warten. Sie haben einen Auftrag zu erfüllen. Ihr Schiff ist das Flaggschiff der NATO-Mission zur Überwachung der Schleuseraktivitäten in der Ägäis. Griechische Schweißer haben die Öffnung des defekten Ventils heute von außen verschweißt. Die „Antreiber“ im Maschineraum haben den kaputten Koloss ausgebaut und den Kreislauf geschlossen. Der Schiffstechnische Offizier leitet das Kühlwasser über einen Umweg ab. Durch die Schiffslautsprecheranlage wird am frühen Abend durchgegeben: „Die Reparaturarbeiten sind beendet. Ankermanöverpersonal sich klar machen.“ Der Anker wird gelichtet. Die „Bonn“ nimmt Kurs auf das Operationsgebiet.

 
Freunde und Förderer

wappen-stadt-bonn-150

 

Logo_Marine

 

Wappen_MSM_Reunion

 

eisbaer

 

MK_Bonn

 

Dmb_logo_lowres

 

MOV_Logo-150

 

bscLogo

 

Kautex_Logo_72dpi_RGB

 

BaumannLogistik

 

logo

 

logo_Autohaus_Greuel

 

Clara_Schumann_Gymnasium

 

Fz_ATLAS-HMK-big

 

img_logo

 

Logo_BBG

 

Hilton_Bonn_4C

 

Logo_Residence

 

Logo_MY_Poppelsdorf_CMYK

 

Logo-Feuerwehr-Bonn_rot2