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Thomas S. geht von Bord

Sein letztes Manöver – Ein Mann geht von Bord der „Bonn“

In See, 12.05.2016.
Ein Schiff fährt nicht von allein. Erst durch die Besatzung kann es eingesetzt werden. Dazu braucht es Seefahrer mit Erfahrung, Leidenschaft und einer Menge Ahnung. Ohne diese Menschen geht es nicht. Dabei muss es Konstanten geben, Menschen, die das Schiff kennen. Der Schiffsoperationsoffizier auf der „Bonn“ ist so einer. Er war von Anfang an dabei. Aber heute geht er von Bord, seine Zeit auf dem Einsatzgruppenversorger ist um. Oberleutnant zur See Thomas S. verlässt das Schiff im Hafen von Piräus. Doch erstmal muss er die auf 174 Meter verteilten 20.000 Tonnen noch „um die Molenköpfe mogeln.“ Denn er führt als Wachoffizier das Einlauf- und Anlegemanöver in Piräus durch. Keine einfache Aufgabe.

„Viel Platz ist da nicht“, stellt Thomas S. treffend fest und blickt gemeinsam mit dem Navigationsoffizier, Kapitänleutnant Janno N., auf die elektronische Seekarte. „Nein, wirklich nicht“, bestätigt Janno N.. Beide wissen nur zu gut, dass das mit dem zugewiesenen Liegeplatz direkt hinter dem rechten Molenkopf eine „enge Kiste“ wird.

Von Anfang an dabei

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Der Einsatzgruppenversorger „Bonn“ kurz vor dem Einlaufen in Piräus (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Oberleutnant Thomas S. wird heute als Wachoffizier dieses Einlaufmanöver der „Bonn“ durchführen. Eine Tradition bei der Marine, denn für Thomas S. wird es das letzte Manöver an Bord des Schiffes sein, dass er durchführen darf. Eine neue Tätigkeit wartet auf ihn, er wird auf eine Fregatte versetzt.

Vier Jahre war Thomas S. auf der „Bonn“. Noch vor der Indienststellung des Versorgers kam er an Bord. Erstmals hat er das noch unfertige Schiff 2012 in der Werft in Emden betreten. „Länger an Bord als ich ist nur noch der Schiffstechnische Offizier“, erzählt der 36-Jährige. „Das war schon spannend damals in Emden. Der Rumpf wurde in der einen, das Deckshaus in einer anderen Werft gebaut. In Emden sind dann beide miteinander „verheiratet“ worden, wie wir sagen. Das ganze Schiff war eine Baustelle, alles offen, überall Leitungen, Rohre, Kabel. Wahnsinn!“

Von 13 Monaten zehn in See

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Das letzte Manöver für Oberleutnant zur See Thomas S. (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Für sein letztes Manöver ist er in „erster Geige“ auf der Brücke erschienen. An seinem Dienstanzug sind die Einsatzmedaillen zu sehen, die Thomas S. in 17 Jahren Dienst und zehn Jahren Seefahrt verliehen wurden: Active Endeavour, UNIFIL, Atalanta, Operation Enduring Freedom – überall war Thomas S. dabei. „Ja, das ist schon alles nicht so einfach. Auch wenn wir uns hier nicht im mandatierten Auslandseinsatz befinden, sind wir Seefahrer dort, wo unser Schiff ist. Und das ist zumeist in See“, erklärt er etwas nachdenklich. „Ich werde nach meiner Rückkehr erstmal Urlaub abbauen. Drei Monate haben sich da angesammelt. Und dann gehe ich mit einer Fregatte wieder ins Mittelmeer. Von 13 Monaten werde ich zehn auf See sein.“ Thomas S. weiß aber seine Familie hinter sich. „Meine Lebensgefährtin hat mich als Seefahrer kennengelernt. Sie weiß, dass ich das gern tue und sie unterstützt meinen Dienst. Da gibt es natürlich auch mal schwere Tage. Aber, wenn es einfach wäre, könnte das ja auch jeder.“

Knappe Sache in erster Geige

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Thomas S. kontrolliert noch einmal den Kurs in den Hafen (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Was definitiv nicht jeder kann, ist, mit dem größten deutschen Kriegsschiff in den Hafen von Piräus einzulaufen. „Das ist alles knapp da im Hafen. Wir müssen uns irgendwie reinfummeln“, heißt es auf der Brücke über das anspruchsvolle Manöver. Der Oberleutnant hat die Wache von seinem Vorgänger übernommen, der die sogenannte Revierfahrt, also die Fahrt in küstennahen Gewässern, durchführte. Jetzt hat er das Kommando auf der Brücke. Alle an Bord wissen, dass es sein letztes Manöver ist.

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Für das letzte Manöver steuert der Antriebsmeister die Maschinen heute selbst (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

So hat sich für den von Bord gehenden Marineoffizier und sein letztes Manöver auch der Antriebsmeister selbst an den Maschinentelegrafen gesetzt. Normalerweise steuert ein Unteroffizier, ein sogenannter Fahrmaat, den Einsatz der Maschinen von der Brücke aus. Heute sitzt da mit einem Hauptbootsmann der „Chef der Maschinen“ persönlich.

Viel Wind und wenig Platz

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Alle auf der Brücke sind auf das bevorstehende Manöver konzentriert (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Die Hafeneinfahrt von Piräus ist nur 240 Meter breit. Und ausgerechnet heute weht auch noch ein kräftiger Wind von Land her – „ablandiger“ Wind. 15-20 Knoten Windgeschwindigkeit wurden vorhergesagt, 30 sind es tatsächlich. Das entspricht rund 55 Kilometern pro Stunde – kräftiger Wind. An sich ist das kein Problem, doch das hohe Deckshaus der „Bonn“ bietet ordentlich Angriffsfläche. Es besteht die Gefahr, dass der Wind von Steuerbord (rechts) das Schiff von der Pier wegdrückt. Hier darf nichts schief gehen. Da muss Oberleutnant zur See Thomas S. höllisch aufpassen. Außerdem ist im Hafengebiet auch noch ordentlich was los. Viele Schiffe laufen auf die Einfahrt zu oder liegen bereits im Hafen. Ein großes Kreuzfahrtschiff liegt fest am gegenüberliegenden Pier. Dadurch wird es noch einmal enger. Als hätten es alle gewusst, dass der Schiffoperationsoffizier heute sein letztes Manöver auf der „Bonn“ fährt.

Ein Roter, ein Schwarzer und ein Hund

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Der Lotse nähert sich– mit seiner Hilfe wird die „Bonn“ in Piräus einlaufen (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann

Ein kleines Boot bringt den griechischen Lotsen. Ein roter und ein schwarzer Schlepper aus Piräus werden der „Bonn“ dabei helfen, unmittelbar nach der Durchfahrt durch die Molenköpfe zu stoppen und nach rechts – also nach steuerbord einzudrehen. Der Liegeplatz befindet sich nämlich direkt hinter der Einfahrt.

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Die Schleppverbindung steht (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Thomas S. muss sich konzentrieren. So hört er nicht, wie an Bord des schwarzen Schleppers ein kleiner Hund aufgeregt sein Schiff anbellt. „Jetzt hast Du den Wind genau auf dem Arsch“, gibt ihm der Navigationsoffizier weiter. „Du musst weiter rüber, sonst driften wir zu weit backbord. Halt da genau auf den Schlepper zu.“

Das war es noch lange nicht

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Der Rudergänger hat den Kurs fest im Griff (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Auf der Brücke ist Ruhe. Keiner spricht ein Wort zu viel, jeder spürt die Spannung. „Ruder Steuerbord Zehn“, befiehlt Oberleutnant S.. „Ruder liegt Steuerbord Zehn“, wird ihm gemeldet. „Beide Maschine zwei Knoten“, lautet der nächste Befehl. Und wieder wird quittiert. Langsam schiebt sich die „Bonn“ auf die schmale Hafenöffnung zu. Immer näher und näher. Dann ist der große Graue durch die Molenköpfe links und rechts durch. Doch die Mannschaft kann noch nicht aufatmen. „Jetzt kommt der gemütliche Teil!“, flüstert einer ironisch, „Ich will mit dem WO (= Wachoffizier) heute nicht tauschen.“ Doch S. hört das nicht: „Steuerbordmaschine vier Knoten. Backbordmaschine Stopp. Ruder hart backbord“, Oberleutnant S. muss die „Bonn“ jetzt an dem Kreuzfahrer gegenüber vorbei an den Liegeplatz fädeln. Zentimetersache.

Das war es noch lange nicht

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Für einen besseren Überblick steht Thomas S. in der Steuerbord-Nock (Quelle: Bundeswehr/Robert Habermann)

Dazu geht er in die Steuerbord-Nock, die Ausguck-Plattform rechts der Brücke. Laut wird auf der Brücke gemeldet „WO in der Steuerbord-Nock.“ Die gesamte Brückenbesatzung antwortet im Chor mit tiefem Bass „WO in der Steuerbord-Nock.“ So stellen die Soldaten sicher, dass alle wissen, wo sich der wachhabende Offizier gerade befindet. „Taut der Schlepper achtern?“, fragt der jetzt und will wissen, ob der Schlepper am hinteren Teil der „Bonn“ das Schiff so straff hält, dass der Wind es nicht gegen die Pier drückt. „Der taut!“, antwortet ihm der Navigationsoffizier, „Der hält dich.“

Es ist knapp, aber Thomas S. schafft es. Die „Bonn“ hat da festgemacht, wo sie hin soll. Das Schiff ist „ran und fest“. Jetzt kann er das Anlegemanöver abpfeifen. Schrill ertönt der Pfiff durch die Trillerpfeife, die hier Batteriepfeife heißt. Alle wissen: Es ist geschafft.

Oberleutnant zur See Thomas S. meldet dem Kommandanten, Fregattenkapitän Jobst Berg, den Abschluss des Anlegemanövers. Es ist nach vier Jahren seine letzte Meldung auf der Brücke der „Bonn“. Der Kommandant schüttelt ihm lange und kräftig die Hand. Länger und kräftiger als sonst.

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Geschafft – Thomas S. meldet das letzte Mal dem Kommandanten (Quelle: 2016 Bundeswehr / Robert Habermann)

 
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